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Datum:
03.09.2010
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Harn- und Stuhlinkontinenz

bearbeitet von: Sabina Riese
zuletzt bearbeitet am: 29.03.066

Inkontinenz bezeichnet die Unfähigkeit, Harn oder Stuhl sicher zu speichern und selbst zu bestimmen, wann und wo der Blasen- bzw. Darminhalt entleert werden soll. In Deutschland sind ca. sechs Millionen Menschen von Inkontinenz betroffen, wobei das Risiko zu erkranken mit zunehmendem Alter ansteigt.

Formen und Ursachen

Inkontinenz bezeichnet die Unfähigkeit, Harn oder Stuhl sicher zu speichern und selbst zu bestimmen, wann und wo der Blasen- bzw. Darminhalt entleert werden soll. In Deutschland sind ca. sechs Millionen Menschen von Inkontinenz betroffen, wobei das Risiko zu erkranken mit zunehmendem Alter ansteigt.

Formen und Ursachen

Die folgende Darstellung bezieht sich auf das Krankheitsbild der Harninkontinenz. Man unterscheidet zwischen sechs Hauptformen; es treten jedoch auch Mischformen auf.

  • Stressinkontinenz: Bei der Stressinkontinenz kommt es zum Urinverlust aufgrund eines gestörten Harnröhrenverschlussmechanismus. Die Betroffenen verlieren anfänglich kleine, tröpfchengroße Mengen Urin und verspüren häufig keinen Harndrang. Der Urinverlust tritt besonders bei erhöhtem Stress (Druck) in der Bauchhöhle oder Harnblase auf, wie zum Beispiel beim Husten, Niesen, Lachen, Aufstehen oder bei körperlicher Belastung. Die Ursachen der Stressinkontinenz liegen in einer Schädigung des Beckenbodens oder der Harnröhre. Diese können in Folge von Geburten, Bindegewebsschwächen oder einer Schwäche des Verschlussmuskels vorkommen und betreffen vor allem Frauen.
  • Dranginkontinenz: Der Urinverlust bei einer Dranginkontinenz geht mit einem starken Harndrang und einer unkontrollierbaren Blasenmuskelaktivität einher, wobei der Schließmuskel der Harnröhre intakt ist. Die Ursache liegt in einer Fehldeutung der Impulse, die den Kontakt zwischen Gehirn und Blase herstellen. Man unterscheidet hierbei zwischen einer sensorischen und einer motorischen Dranginkontinenz. Bei der sensorischen Form sind die Impulse, die von der Blase ausgehen, gestört. Dies kann durch Entzündungen, Harnwegsinfektionen, Harnblasensteine oder Tumore verursacht werden. Hingegen liegt bei der motorischen Dranginkontinenz eine Störung der Impulsleitung vor, die vom Gehirn ausgeht. Dies kann beispielsweise nach einem Schlaganfall oder bei einer Morbus Alzheimer Erkrankung vorkommen.
  • Reflexinkontinenz: Der Harnverlust bei einer Reflexinkontinenz erfolgt reflektorisch, das heißt ohne Steuerung des Gehirns, sodass die Betroffenen kein Gefühl des Harndrangs verspüren. Verursacht wird die Reflexinkontinenz durch eine Schädigung der Nervenbahnen des Rückenmarks, zum Beispiel in Folge von Unfällen (Querschnittslähmung), Tumoren oder Erkrankungen des Zentralnervensystems (vor allem Multiple Sklerose).
  • Überlaufinkontinenz: Die Überlaufinkontinenz ist durch einen Urinverlust gekennzeichnet, der mit einer Überdehnung der Blasenwand zusammenhängt. Charakteristisch ist das tröpfchenweise Abgehen von kleinen Urinmengen, während in der gefüllten Blase große Restharnmengen zurückbleiben. Die Ursache der Überlaufinkontinenz liegt in einer mangelhaften bzw. nicht vorhandenen Fähigkeit des Blasenmuskels, sich ausreichend zusammenzuziehen. Dies kann unter anderem durch eine fehlende Blasenmotorik, eine Vergrößerung der Prostata oder Harnröhrenverengungen hervorgerufen werden. Eine Schädigung der Nerven, die für die Blasenkontraktion verantwortlich sind, wird auch als mögliche Ursache angesehen; so zum Beispiel bei Diabetikern.
    Extraurethrale Inkontinenz: Bei dieser Form der Inkontinenz tritt der Urin außerhalb des natürlichen Harnableitungssystems nach außen. Die Ursachen können angeborene Missbildungen sowie Harnleiter-, Blasen- oder Harnröhrenscheidenfisteln infolge von Tumoren sein.

Diagnose

Um die Art und Schwere der Erkrankung festzustellen, erfolgt neben einer Anamnese (Erhebung der Krankenvorgeschichte) zunächst eine gründliche körperliche Untersuchung. Den größten Stellenwert in der Inkontinenzdiagnostik nimmt die urodynamische Untersuchung ein, mithilfe derer die Funktionsfähigkeit des unteren Harntraktes geprüft werden kann. Zu den einzelnen urodynamischen Verfahren gehören unter anderem:

  • Urinanalyse
  • Harnflussmessung (Uroflowmetrie)
  • Blasendruckmessung (Zystometrie)
  • Blasenspiegelung (Zystoskopie)
  • Harnleiterspiegelung (Urethroskopie)
  • radiologische und bildgebende Verfahren
  • Miktionstagebuch (Miktion = Harnlassen)

Behandlung:

Die Art der Inkontinenzbehandlung hängt von der Form und Ursache der Erkrankung, dem Alter sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab.

  • Medikamentöse Therapie: Die Behandlung mit Medikamenten stellt selten eine differenzierte Ursachenbehandlung der Inkontinenz dar, sondern muss vielmehr als eine unterstützende Maßnahme der konservativen Behandlungsmöglichkeiten gesehen werden. Sie ist vor allem bei der Stress- und Dranginkontinenz sowie bei Harnwegsinfektionen angezeigt und kann dazu beitragen, die Blase zu beruhigen und das Verschlusssystem der Blase zu beeinflussen.
  • Beckenbodentraining: Das Beckenbodentraining eignet sich insbesondere bei einer leichten bis mittelschweren Stressinkontinenz. Mithilfe der Straffung der Muskeln des Beckenbodens bietet sich für die Betroffenen die Möglichkeit, den Harnabgang erheblich zu verringern oder ganz zu unterbinden. Wichtig dabei ist, dass das Training nur bei regelmäßiger Anwendung und unter Anleitung von erfahrenen Therapeuten wirksam wird.
  • Biofeedback: Mithilfe von Biofeedbackmethoden werden die Patienten beim Erlernen der Kontrolle über die Beckenbodenmuskulatur sowie bei der Durchführung des Blasentrainings unterstützt, indem ihnen ein besseres Verständnis der Blasenfunktion vermittelt wird.
  • Toilettentraining: Toilettentraining bedeutet, dass der Patient nach einem festen Zeitplan zur Toilette geht. Diese Therapiemaßnahme ist nur für Patienten mit einer funktionellen Inkontinenz geeignet, die die Füllung der Blase schlecht oder gar nicht wahrnehmen.
  • Operative Therapie: Operative Maßnahmen werden meist dann eingesetzt, wenn konservative Verfahren nicht erfolgreich waren. Beispielsweise kann die operative Vergrößerung der Blase bei einer Dranginkontinenz ratsam sein und zur Linderung der Symptome beitragen.
  • Blasenkatheterisierung und Inkontinenzhilfsmittel: Ist eine vollständige Wiedererlangung der Kontinenz nicht möglich, kann häufig mithilfe eines effektiven Inkontinenzmanagements das Gefühl von Kontinenz im sozialen Kontakt erreicht werden. Dazu stehen eine Vielzahl von Hilfsmitteln, wie beispielsweise Ein- und Mehrwegvorlagen, Katheter oder Auffangbeutel zur Verfügung.

Da heute viele wirksame Heilmittel existieren, verläuft die Behandlung der Inkontinenz in vielen Fällen erfolgreich. Ebenso tragen eine Reihe von geeigneten Hilfsmitteln dazu bei, die Lebensqualität der Betroffenen spürbar zu verbessern.




Quelle(n) und weitere Informationen:
Deutsche Kontinenz Gesellschaft: Harn- und Stuhlinkontinenz. URL: http://www.kontinenz-gesellschaft.de/hus-inkontinenz.pdf (Abruf vom 26.03.2006).
Hoogers, K.: Inkontinenz verstehen. München/Basel: E. Reinhardt, 1993.
Roe, B. & Williams, K.: Inkontinenz. Ein Handbuch für die Pflege. Berlin/Wiesbaden: Ullstein Mosby, 1997.
Sachsenmaier, B.: Inkontinenz. Hilfen, Versorgung und Pflege. Hannover: Schlütersche, 1991.
van der Weide, M.: Inkontinenz. Pflegediagnosen und Pflegeinterventionen. Bern/Göttingen/Toronto/Seattle: Hans Huber, 2001.



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