Synonyme und ähnliche Krankheitsbilder: Sudeck`sches Syndrom, Algodystrophie, Schulter-Hand-Syndrom
Bei der Sympathischen Reflexdystrophie handelt es sich um eine
schmerzhafte Erkrankung meist einer einzelnen Gliedmaße mit Schwellungen, Hautverfärbung
und Steifigkeitsgefühl. Sie tritt als Folge einer vorausgegangenen leichten Verletzung,
von Knochenbrüchen oder einer Operation.
Die Krankheitsursache ist bis heute nicht eindeutig geklärt.
Man weiß, dass immer eine Vorerkrankung / Verletzung (häufig gelenk-nah) mit
Schmerzentstehung bestanden hat. Ein großer Teil der Experten ist der Meinung, dass dann
eine gestörte Schmerzweiterleitung im Zentralen Nervensystem (ZNS) eine übermäßige
Reaktion des vegetativen Nervensystems verursacht. Ferner scheinen psychischen Faktoren
die Erkrankung zu fördern. Oftmals leiden Patienten der Sympathischen Reflexdystrophie an
Depressionen, Ängstlichkeit und emotionaler Labilität. Grundsätzlich kann man davon
ausgehen, dass die Entstehung der Krankheit durch verschiedene Faktoren bedingt ist, wobei
sowohl die vorangegangene Schmerzauslösung wie auch die psychische Komponente eine
bedeutsame Rolle spielen.
Die Symptomatik ist durch starke Schmerzen gekennzeichnet, die
meist einige Wochen nach der Verletzung oder dem operativen Eingriff in den betroffenen
Extremitäten auftreten. Zudem kann es zu Schwellungen, Hautveränderungen und
Bewegungsstörungen kommen.
Hautveränderungen äußern sich zum einen durch gesteigertes Schwitzen
oder Frieren des betroffenen Körperteils. Zum anderen können Hautverfärbungen
auftreten.
Die Bewegungsstörungen sind zum Teil durch die Schmerzen bedingt,
können aber auch durch Versteifungen der Gelenke hervorgerufen werden. Weitere Merkmale
sind Muskelkrämpfe und Zittern. Bei schwerwiegenden Fällen ist auch eine gänzliche
Versteifung von Fingern und Zehen möglich.
Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann eine Ausbreitung der Symptome
über die gesamte Gliedmaße eintreten. Dies kann kontinuierlich zum Beispiel von der Hand
zur Schulter geschehen (daher auch die Bezeichnung "Schulter-Hand-Syndrom").
Die Sympathische Reflexdystrophie verläuft in drei
verschiedenen Stadien:
Stadium 1, die akute Phase, tritt zwei bis acht Wochen nach der
Verletzung oder dem operativem Eingriff ein und ist gekennzeichnet durch starke brennende
Ruhe- und Bewegungsschmerzen, Überwärmung und Schwellung sowie durch vermehrtes
Schwitzen des betroffenen Körperteils. Eine Spontanheilung ist in dieser Phase möglich.
Stadium 2 tritt ein bis vier Monate nach der Verletzung ein. Die
Merkmale dieser Phase sind zunehmende Beweglichkeitsstörungen, ein Rückgang der
Schwellung sowie eine Atrophie (Schwund) von Haut und Muskeln. Die Haut ist blass,
glänzend und aufgrund von Sauerstoffmangel im Blut bläulich verfärbt. Der Knochen zeigt
im Röntgenbild bereits kleine Aufhellungen. Eine Spontanheilung ist in dieser Phase
unwahrscheinlich.
Stadium 3 tritt drei bis sechs Monate nach der Verletzung ein. Die
Atrophie von Haut und Muskulatur ist fortgeschritten. Es können Versteifungen der Gelenke
eintreten und im Röntgenbild lassen sich Glasknochen feststellen. Diese Phase kann nicht
mehr vollkommen geheilt werden. Jedoch wird das dritte Stadium aufgrund gezielter und
zeitiger Behandlung heute kaum mehr erreicht.
Zur Ermittlung der Diagnose wird die Krankengeschichte herangezogen und eine
körperliche Untersuchung durchgeführt. Eine weitere Maßnahme ist die Messung der
Wärmeabgabe von der Körperoberfläche mittels eines Thermogramms. Zudem können
bildgebende Verfahren wie Röntgenuntersuchungen, Computertomographie (CT) und
Magnetresonanztherapie (MRT) unterstützend zur Feststellung der Diagnose beitragen, da
sie die Dichte der Knochen sichtbar darstellen.
Die Therapie besteht aus einer Kombination von medikamentöser Behandlung,
physikalischer Behandlung, Ergotherapie, Psychotherapie sowie von ergänzenden Methoden.
Ausschlaggebend für den Erfolg der Therapie ist ein möglichst früher Beginn, um ein
Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.
Entsprechend dem jeweiligen Stadium sind folgende Behandlungsmaßnahmen sinnvoll:
Stadium 1: Entlastung durch Ruhigstellung in Funktionsstellung und
Hochlagerung, Bindegewebsmassage im Segment, verschiedene Wasseranwendungen und leichte
aktive Bewegungen im schmerzfreien Bereich
Stadium 2: manuelle Lymphdrainage, aktive Bewegung bis zur
Schmerzgrenze, Kühlung, Elektrotherapie, Hydrotherapie
Stadium 3: lokale, die Ernährung der Gewebe verbessernde und
funktionserhaltende Maßnahmen (z.B. Gelenkmobilisierung und Muskelkräftigung),
Hydrotherapie, Anwendung von Fangopackungen, Dehnungsübungen, TENS (=transkutane
elektrische Nervenstimulation)
In jeder Krankheitsphase ist die Anwendung von Bindegewebsmassagen, Ergotherapie,
Kohlensäurebädern, die Lösungstherapie nach Schaarschuch-Haase und eine vitamin- und
mineralienreiche Ernährung förderlich. Zudem stellt die Psychotherapie einen wichtigen
Therapiebestandteil dar, da die Betroffenen aufgrund des langen, unabsehbaren
Krankheitsverlaufs und der starken Schmerzen einer enormen psychischen Belastung
ausgesetzt sind. Hierbei sollten die Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung, das
Erlernen von verschiedenen Entspannungstechniken sowie die Beseitigung von psychosozialen
Belastungen im Vordergrund stehen.