Ein Schleudertrauma ist eine Verletzung im Bereich der
Halswirbelsäule, die meist durch einen Autounfall verursacht wird. Beim Auffahren oder
beim Angefahrenwerden von hinten wird der Kopf durch die unerwartete Abbremsung nach vorn
bzw. nach hinten gerissen und die Halswirbelsäule dabei heftig gekrümmt bzw.
überstreckt. Durch den Überraschungseffekt kann die Bewegung nicht rechtzeitig durch
Anspannung der Muskulatur gebremst werden. Oftmals folgt durch Auftreten eines
Hindernisses erneut eine Schleuderung des Kopfes nach vorn, was auch als "Peitschenschlagphänomen"
bezeichnet wird.
Hauptsächlich betroffen sind nach einem solchen Ereignis die
Halsmuskulatur, der Bandapparat der Halswirbel, Gelenkkapseln und Bandscheiben,
welche durch Zerrungen und Risse sowie durch Blutungen geschädigt sein können.
Schmerzen treten meist nicht unmittelbar nach dem Unfall auf, sondern
erst nach einigen Stunden. Es kommt auch vor, dass sich Beschwerden erst nach ein bis zwei
Wochen einstellen. Symptome zeigen sich durch Muskelverspannungen und Schmerzen im Nacken-
und Schulterbereich sowie durch Kopfschmerzen. Weitere Merkmale können u.a. sein:
Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Sehstörungen, Schmerzen oder ein Kribbeln in den
Armen, Bewusstlosigkeit und Gedächtnisschwund.
Ein Arzt wird anhand der Schilderungen des Patienten zum
Unfallgeschehen und den Symptomen sowie durch eine körperliche Untersuchung die Schwere
des Schleudertraumas feststellen. Zudem können mithilfe einer Röntgenuntersuchung
Knochenbrüche und Gelenksverletzungen der Halswirbelsäule ausgeschlossen werden.
Handelt es sich um einen leichten Grad der Verletzung, das heißt
vorübergehende Schmerzen im Nacken und den Schultern sowie Kopfweh, heilt die Schädigung
nach einer kurzzeitigen Ruhigstellung meist innerhalb von zwei bis vier Wochen von selbst.
Eine Behandlung kann ggf. Schmerzmittel und das Anlegen einer Schaumstoffmanschette
beinhalten, welche jedoch nur so kurz wie möglich getragen werden sollte. Außerdem
eignen sich zur Eigenbehandlung gymnastische Übungen und kräftigende Maßnahmen wie
Wechselduschen und Bürstenmassagen.
Bei einer mittelschweren Form des Schleudertraumas, die durch eine
starke Einschränkung der Beweglichkeit des Nackens und zum Teil neurologischer Ausfälle
wie geschwächte Muskelreflexe und Gefühlsstörungen gekennzeichnet ist, ist eine
physiotherapeutische Behandlung unerlässlich. Auch eine Therapie mit Medikamenten sowie
psychotherapeutische Maßnahmen können für die Genesung hilfreich sein. Die
physiotherapeutische Behandlung beinhaltet dabei zunächst Stabilisation der
Halsmuskulatur zur Sicherung der gedehnten Bänder, später Wärme und vorsichtige
Dehnungsbehandlungen der Hals- und Schultergürtelmuskulatur. Unter Anleitung werden
krankengymnastische Bewegungen der Halswirbelsäule durchgeführt.
Ist es durch den Unfall zu schwereren Verletzungen der
Halswirbelsäule, des Gewebes oder der Gelenke gekommen, muss durch einen Facharzt die
Notwendigkeit einer Operation geklärt werden. Dementsprechend erfolgt die Behandlung
durch einen Neurochirurgen oder Orthopäden. Dieser Schweregrad eines Schleudertraumas
tritt jedoch nur selten auf.
Die Prognosen für Spätfolgen nach einem
Schleudertrauma sind gegensätzlich. Einige Experten schätzen das Risiko als gering ein.
Andere hingegen sind der Meinung, dass die Patienten noch über viele Jahre von
Beschwerden begleitet werden können. Wichtig ist vor allem, nach dem Unfall so schnell
wie möglich die gewohnten Alltagsaktivitäten wieder aufzunehmen und die Genesung mit
krankengymnastischen Übungen zu unterstützen.