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Datum:
20.08.2008
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Motorische Entwicklung sonstige

bearbeitet von: Nicola Steinhauff
zuletzt bearbeitet am: 27.06.04

Die motorische Entwicklung beschreibt lebensalterbezogene Veränderungen der Steuerungs- und Funktionsprozesse, die dem Menschen für die Koordination seiner Körperhaltung und Bewegungen zur Verfügung stehen.

Das motorische System hat die Aufgabe das Zusammenspiel einer angemessenen Haltung und der darauf aufbauenden Bewegung des Körpers zu kontrollieren. Wenn der Mensch geht, hüpft, sitzt oder auch nach etwas greift, laufen diese Steuer- und Regelungsvorgänge im Körper ab. Maßgeblich an dieser Regulation beteiligt ist das zentrale Nervensystem, welches die motorischen Prozesse und Reaktionen organisiert.

Der Begriff der Sensomotorik berücksichtigt den engen Zusammenhang zwischen sensorischer Information (Wahrnehmung) und motorischer Aktion (Bewegung). Die an der Motorik beteiligten Strukturen können Bewegungen nur funktionsgerecht ausführen und regulieren, wenn sie mit Hilfe sensorischer Vorgänge Informationen über die jeweilige Körperstellung und über die Ausführung der angestrebten Bewegungen erhalten.

Zudem spielen motorische Lernprozesse in den verschiedenen Entwicklungsphasen eine wichtige Rolle. Menschen können aus einer Förderung ihrer motorischen Fähigkeiten häufig bis ins Erwachsenenalter profitieren, da sie auch dann noch auf Erlerntes zurückgreifen können.

Der Begriff der Entwicklung wird sehr vielfältig verwendet und verstanden. Man geht heute davon aus, dass Entwicklungen nicht nur im Kindes- und Jugendalter, sondern auch im Erwachsenenalter –wenn auch meist weniger offensichtlich- stattfinden. Veränderungen können zwar gewisse Gesetzmäßigkeiten aufweisen, letztendlich verläuft die Entwicklung jedoch sehr individuell und wird von vielfältigen inneren und äußeren Einflüssen geprägt.

In der Beobachtung des motorischen Entwicklungsverlaufs sind besonders die Koordinationsfähigkeit sowie die Entwicklung von Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Bewegungsrhythmus relevant:

  • Geburt bis Schulkinderalter (5-6 Jahre):
    Nach der Geburt ist die lebenswichtige Motorik (Atmung, Ernährung und Schutzreaktionen) reflex- und reaktionsgesteuert organisiert. Im Laufe der Zeit lernt das Kind zielgerichtete Bewegungsmuster zu entwickeln. Das Bewegen und Erfassen der Umwelt (sich drehen, krabbeln etc.) hat dabei eine fundamentale Bedeutung. In den ersten Lebensjahren wird die Balance zwischen Stabilität und Mobilität erlernt. Schließlich ist es dem Kind möglich motorische Abläufe auf Gegenstände abzustimmen (z.B. Roller fahren), an bestimmte Anforderungen angepasste Bewegungen auszuführen (z.B. Gleichgewicht halten)und sensorische Informationen in den Bewegungsablauf zu integrieren (z.B. Bewegung von Bällen abzuschätzen und dementsprechend darauf zu reagieren).
  • Schulkindalter bis Pubertät (10-14 Jahre):
    In dieser Zeit werden Bewegungsabläufe und Kombinationsmöglichkeiten der Bewegungsmuster feiner abgestimmt und trainiert. Begünstigt wird dies durch die vorteilhaften körperlichen Proportionen, den Anstieg der Konzentrations- und motorischen Merkfähigkeit, sowie das hohe Aufnahmepotential von Informationen, das Kinder sehr nachahmungsfähig macht. Bei Schulkindern gilt die Förderung koordinativer Fähigkeiten (betreffen räumliche Orientierung, Reaktion, Rhythmus und Gleichgewicht) als entscheidende Voraussetzung für das Erlernen sportlicher und motorischer Fertigkeiten. Durch eine verbesserte Motorik wird wiederum auch die Kondition gestärkt. Sportlich aktive Kinder scheinen insgesamt einen Vorsprung in der motorischen Entwicklung zu haben. Freiräume zum Ausprobieren, Herumtoben, Spielen und Sammeln von Bewegungserfahrungen spielen dementsprechend eine wichtige Rolle.

 

  • Pubertät bis Adoleszenz (18-20 Jahre):
    In der Pubertät müssen Bewegungen auf Grund der starken psychischen und physischen Veränderung und Reifung wieder neu ausdifferenziert und angepasst werden. Es kann zu vorübergehenden Verschlechterungen in der Koordination kommen, was sich zum Beispiel durch typisch ungelenke und schlaksige Bewegungen äußert. Die Geschlechtsspezifischen Unterschiede (z.B. in der Muskelmasse) prägen sich nun besonders in der motorischen und konditionellen Entwicklung aus.
  • Erwachsenenalter:
    Bei Erwachsenen bis zum 25.-35. Lebensjahr bleiben die gewonnen Fertigkeiten je nach Aktivitätsverhalten relativ stabil.
    Besonders ab dem 50.-60. Lebensjahr sorgen degenerative Prozesse für eine Abnahme der Kondition und Bewegungsfähigkeit. Die Bewegungen werden langsamer und unrhythmischer. Je nach Bewegungsfreude in früheren Lebensjahren kann die körperliche Belastbarkeit bei den einzelnen Menschen jedoch stark variieren.

Das Lebensalter ist in der motorischen Entwicklung jedoch nicht als Ursache der Veränderung anzusehen, sondern dient nur zu deren Beschreibung. Zur Erklärung müssen zugrundeliegende Bedingungen, Ereignisse und Einflussfaktoren untersucht werden. Dazu können u.a. folgende zählen: genetisch-biologische Einflüsse (physiologisches Wachstum, kognitive und sprachliche Funktionen etc.), soziale Entwicklungsaufgaben, kritische Lebensereignisse und Umstellungen (Erkrankung, Unfall etc.) sowie auch kulturell und historisch bedingte Faktoren (Werte, ökonomische Ressourcen, Epidemien etc.).

Ist die Entwicklung der motorischen Koordination deutlich beeinträchtigt, spricht man von dem Krankheitsbild "Umschriebene motorische Entwicklungsstörung", welches sich durch eine stark ausgeprägte Ungeschicklichkeit äußert. Häufig tritt es bei Kindern in Verbindung mit Entwicklungsstörungen neuropsychologischer Funktionen (Sprachentwicklung, Aufmerksamkeit etc.), jedoch ohne erhebliche Intelligenzminderung, auf. In der Diagnostik muss eine neurologische Erkrankung ausgeschlossen werden. Behandelt werden kann diese Entwicklungsstörung manchmal schon durch eine stärkere Förderung der Bewegungserfahrungen des Kindes im Alltag beim Spielen oder durch sportliche Betätigung. Bei stärkeren motorischen Funktionsstörungen, welche auch zu sekundären psychischen Problemen (wie Eingliederungsprobleme, Verlust des Selbstwertgefühls etc.) führen können, kommen Therapiekonzepte der Physio-, Ergo- oder Mototherapie zum Einsatz.

Es ist davon auszugehen, dass die motorische Entwicklung von Generation zu Generation variieren wird, sprich das motorische Profil heutiger alter Mensch wird voraussichtlich nicht mit demjenigen heute junger Menschen im entsprechenden Alter übereinstimmen. Dies erschwert die Suche nach allgemein gültigen Beziehungen und versteht die motorische Entwicklung auch als eine Art Kulturphänomen. Veränderungen im Freizeitverhalten, bedingt zum Beispiel durch den erhöhten Computer- und Fernsehkonsum, können sich nachhaltig auf die motorische Entwicklung auswirken.




Quelle(n) und weitere Informationen:

Baur, J.; Bös, K.; Singer, R.: Motorische Entwicklung. Ein Handbuch. Schorndorf: Verlag Karl Hofmann, 1994

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin: Leitlinien Kinderheilkunde und Jugendmedizin. München: Urban & Fischer Verlag, 2001

Kaul, P.; Zimmermann, K.W. (Hrsg.): Physische und motorische Entwicklung im Kindes- und Jugendalter – eine sportwissenschaftliche Betrachtung von Ergebnissen und Theorien. Gesamthochschule Kassel, 1994

Schellhammer, S.: Bewegungslehre. Motorisches Lernen aus Sicht der Physiotherapie. München/Jena: Urban & Fischer Verlag, 2002

Wollny, R.: Motorische Entwicklung in der Lebensspanne. Warum lernen und optimieren manche Menschen Bewegungen besser als andere? Schorndorf: Verlag Karl Hofmann, 2002




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