Die schnelle Massage zwischendurch ohne Anfahrtstress und Parkplatzsuche, ohne sich
entkleiden zu müssen und ohne Öl oder Lotion, einfach durch die Kleidung hindurch
erfreut sich stetig steigender Beliebtheit.
Ob als Büro-Massage-Service oder bei Veranstaltungen (z.B. Messen, Tagungen, etc.), ob
im Freizeitbereich (Stadtfeste, Partys, usw.): Die auf leicht transportablen und schnell
aufzubauenden Massagestühlen angebotene Massage im auf den ersten Blick seltsam
anmutenden Hocksitz ist immer häufiger anzutreffen.
Die Anfänge dieser jungen Disziplin reichen zurück in das Jahr 1984: In San Francisco
wollte David Palmer, Leiter einer Schule für traditionelle asiatische Massage-Techniken
seinen Absolventen den Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Dazu fehlte seiner Ansicht
nach etwas Entscheidendes: Die Möglichkeit, Massage ohne Raum drum herum und Massagetisch
unten drunter leichter zugänglich zu machen: es fehlte der Massagestuhl. So wurde der
Massage-Lehrer zum Erfinder. Mit einem befreundeten Kunsttischler wurden in Palmers Garage
erste Prototypen gebastelt, 1985 einer der großen Hersteller von
Massagetischen als Partner ins Boot geholt und im Frühjahr 1986 der erste serienreife
Massagestuhl auf den Markt gebracht. Im Vergleich mit heutigen Stühlen aus Aluminium oder
Carbon-Faser eine vergleichsweise unförmige und noch recht schwere Holz-Konstruktion,
aber: Eine Idee hatte Ihre Form gefunden, die Erfolgsstory der Stuhlmassage konnte
beginnen.
Binnen weniger Jahre schuf der Massagestuhl in Amerika eine neue
Dienstleistungsbranche: "On-Site Massage" (Massage vor Ort) in Shopping-Malls,
Flughafen-Lounges, in Parks und an Straßenecken und vor allem: Als sowohl angenehme wie
auch effektive Gesundheits-Vorsorge in Büros und Werkstätten.
Gut 10 Jahre nach dem Senkrecht-Start Mitte der 80er begann mobile Massage auch in
Deutschland einem breiteren Publikum aufzufallen. Zahlreiche Zeitungs-Artikel und
Fernseh-Reportagen über die ersten Pioniere in den Computerbüros großer deutscher
Firmen und kreativer Agenturen machten die Runde.
Die zunehmende Ver-Computerisierung des Büro-Arbeitslebens führte nicht nur zu neuen
Bildschirm-Arbeitsplatz-Verordnungen, sondern beförderte in Firmen mit innovativem
Gesundheitsmanagement die Massage am Arbeitsplatz zu einem Baustein ihrer
Vorsorge-Programme. Arbeitsplatz-Beratung + Rückenschule + mobile Massage ist
jenseits der eigenen sportlichen Aktivität des Bildschirmarbeiters nach Feierabend
sozusagen das "große Los" in Sachen präventiver Maßnahmen zur Gesunderhaltung
(und damit zur Reduktion von weitaus teureren Fehlzeiten).
Durch die Aufnahme von Massagestühlen in das Angebot einiger medizintechnischer
Ausstattungsfirmen für Praxisbedarf gewinnt dieses praktische Gerät und die mobile
Massage, die in den ersten Jahren meist von Anbietern aus dem alternativen und
Wellness-Bereich "entdeckt" wurde, wachsende Bedeutung auch im traditionellen
therapeutischen Umfeld.
Inhaltlich wird in der mobilen Massage zumeist sehr viel mit Shiatsu-Techniken
gearbeitet (wenn auch z.T. anders bezeichnet). Daneben finden Anleihen aus dem Tragering,
Stretching und klassische Griffe Verwendung. Auch für originelle Eigenkreationen öffnet
sich ein breiter Spielraum.
Dominant in den meisten bislang angebotenen Ausbildungen ist eine eher ruhige, bisweilen
geradezu meditative Arbeitsweise. Diese fördert die stark sedierende Wirkung der total
entspannten Sitzposition mehr oder minder stark. Gegen Ende der typischerweise ca.
15-minütigen Behandlung werden dann meist Klopftechniken angewendet, die den Massierten
wieder "aufwecken" sollen. Ob sich diese Arbeitsweise letztendlich für
die Massage in Arbeitsumgebungen durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Weniger stark den
Entspannungs-Charakter betonende, dynamischere Techniken könnten eine Alternative sein.
Einige der Trainings-Anbieter haben für die Sitz-Massage und Ihre jeweilige
Stilrichtung eigene Begriffe entwickelt, die zumeist markenrechtlich geschützt sind (z.B.
"Fresh-Up-Massage"®" von Bodybalance, "Senergy®" von Senergy,
"Vitalmassage®" von FITalis, u.a.m.).
Der große Vorteil des Stuhls im Vergleich zur Bank ist für den Behandler seine
geradezu zwingende Möglichkeit, in idealer Weise mit dem Einsatz von Körpergewicht statt
kraft zu arbeiten. Dadurch lässt sich eine wesentlich Rücken- und
Gelenk-schonendere Arbeitsweise erreichen als in der klassischen horizontalen Position.
Sein allergrößter Vorteil aber ist und bleibt seine Universalität. Dank des
Massagestuhls können mehr und mehr Menschen die Kraft therapeutischer Berührung
schnuppern oder auch einfach nur die segensreiche Wohltat einer hoffentlich guten Massage
im richtigen Augenblick erfahren, sei es beim Einkaufstüten-Schleppen oder beim
Starrk(r)ampf mit der Computermaus.
Die Entwicklung der mobilen Massage hat im Grunde gerade erst begonnen und man darf auf
ihren weiteren Werdegang gespannt sein.