Das komplexe Krankheitsbild der Migräne (Migräne-Schmerz) mit seiner Vielzahl an möglichen
Ursachen macht deutlich, dass auch die Behandlung sehr vielseitig und individuell
abgestimmt sein muss.
Eine Diagnose stellt der Arzt aufgrund einer ausführlichen und umfassenden
Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Unterstützend werden verschiedene
neurologische und internistische Untersuchungen sowie in einigen Fällen auch bildgebende
Verfahren eingesetzt, um andere Erkrankungen wie zum Beispiel Tumoren, Entzündungen oder
Verletzungen in der Kopfregion, auszuschließen. Wichtig ist zudem, dass man die Art der
Kopfschmerzen zu anderen Formen abgrenzt.
Die Therapie der Migräne unterteilt sich in drei Hauptbereiche:
- die akute Behandlung leichter Attacken
- die akute Behandlung schwerer Attacke
- die vorbeugende Behandlung
Primäres Ziel der Migränetherapie ist die Linderung der Kopfschmerzen von schwer auf
leicht oder von mittelschwer auf kopfschmerzfrei innerhalb zwei Stunden nach Einnahme der
Medikamente.
Bei der Behandlung von leichten Migräneattacken empfiehlt sich die kombinierte
Einnahme eines herkömmlichen Schmerzmittels sowie eines Arzneimittels gegen Übelkeit und
Erbrechen. Letzteres hat auch die Funktion, die reduzierte Magen- und Darmaktivität zu
normalisieren, damit der Körper die Wirkstoffe der eingenommenen Medikamente besser
aufnehmen kann.
Sind die Attacken stärker, werden häufig sogenannte Triptane zur Therapie eingesetzt.
Dabei handelt es sich um Substanzen, die dort wirken, wo der Schmerz entsteht: an den
Blutgefäßen und an den Nervenenden im Gehirn. Die Triptane binden sich damit an die
gleichen Rezeptoren wie das Hormon Serotonin und haben den Vorteil, dass sie nicht nur den
Schmerz stoppen, sondern auch gegen Übelkeit und Erbrechen helfen. Triptane gelten heute
als die wirksamsten Mittel für die akute Behandlung von schweren Migräneanfällen und
können zu jedem Zeitpunkt der Attacke eingesetzt werden. Welches Triptan für welchen
Patienten am besten geeignet ist, muss je nach Beschwerdebild mit dem behandelnden Arzt
abgestimmt werden.
Neben der akuten Therapie der Migräne, besteht die Möglichkeit einer vorbeugenden
Behandlung (Prophylaxe), welche medikamentöser oder nicht-medikamentöser Art sein kann.
Ziel dabei ist, eine 50-prozentige Verminderung der Attacken sowie eine verbesserte
Wirkung der Akuttherapie zu erreichen.
Eine medikamentöse Prophylaxe ist angebracht, wenn mehr als drei Attacken pro Monat
auftreten, die Attacken länger als 48 Stunden andauern oder die Nebenwirkungen der
Migränemittel zu stark ausfallen. In den meisten Fällen werden Betablocker eingesetzt,
welche zur Behandlung von Bluthochdruck entwickelt wurden. Geeignet sind diese daher für
Patienten, die zusätzlich an Bluthochdruck, innerer Unruhe oder starker Nervosität
leiden. Hingegen sind Betablocker nicht angezeigt, wenn die Betroffenen an Depressionen
erkrankt sind oder (bei Männern) an Potenzproblemen leiden.
Neben Betablockern existiert noch eine Vielzahl anderer Medikamente, die sich zur
Migräneprophylaxe eignen. Das für Sie beste Medikament wird Ihr Arzt mit Ihnen
absprechen. Einen neuen interessanten Ansatz verspricht eine aktuelle Studie zum Einsatz des Coenzyms Q10 bei Migräne. Die Studie zeigte eine Verringerung der Migränefrequenz und Schmerzstärke in einer kontrollierten Studie
Medikamente zur Migräneprophylaxe werden nicht lebenslang, sondern in der Regel über
einen Zeitraum von sechs bis neun Monate eingenommen. Zu beachten ist, dass sich der
Behandlungserfolg bei der vorbeugenden Therapie meist erst nach sechs bis acht Wochen
einstellt und dass in der Anfangszeit häufig starke Nebenwirkungen auftreten. Wichtig
für eine erfolgreiche Prophylaxe ist daher, die Medikamente nicht gleich wieder
abzusetzen, sondern diese nach Absprache mit ihrem Arzt langfristig einzunehmen. An diesen
sollten Sie sich auch bei aufkommenden Bedenken und Fragen wenden.
Zur Vorbeugung von Migräneattacken eignet sich auch die nicht-medikamentöse
Prophylaxe. An erster Stelle steht dabei eine gesunde und ausgeglichene Lebensführung mit
regelmäßigem und ausreichendem Schlaf, wenig Stress, der Vermeidung von Triggerfaktoren
und ausreichender Bewegung. Darüber hinaus helfen Techniken zur Stressbewältigung und
Entspannung, wie zum Beispiel Biofeedback, Progressive Muskelentspannung oder
Ausdauersport, aber auch die Fussreflexzonenmassage, andere Reflexzonentherapieen und Shiatsu - Behandlungen können Erfolge bringen.
Wenn organische Befunde der Wirbelsäule als mögliche Ursachen der Migräne in Verdacht stehen, können hier die Manuelle Therapie, die Wirbelsäulengymnastik oder die Behandlung nach McKenzie zum Einsatz kommen.