 |
Logopädie
bearbeitet von:
Nicola Steinhauff
zuletzt bearbeitet am: 09.03.06
Die Logopädie wird auch Sprachheiltherapie genannt und richtet sich an Menschen jeden
Alters, die von Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen betroffen sind. Das
Arbeitsgebiet der Logopädie umfasst dabei sowohl die Untersuchung und Behandlung von
bestehenden Mängeln in der Sprache und in der Kommunikation als auch vorbeugende
Maßnahmen der Prävention und Beratung. Die Therapie richtet sich auf Störungen der
Stimme, der Sprache, des Redeflusses, der Artikulation und des Schluckens. Die Logopädie
stellt somit einen Teil der medizinischen Grundversorgung dar und muss von einem Arzt
verordnet werden.
Bereits für Kleinkinder und Säuglinge kann eine logopädische Behandlung sinnvoll sein,
wenn etwa angeborene Fehlbildungen im Gesichtsbereich, Hörstörungen oder
zentralmotorische Körperbehinderungen vorliegen.
Des Weiteren gibt es eine Fülle an verschiedenen Störungsbildern der Sprache, des
Sprechens, der Stimme und des Schluckens, die in jedem Lebensalter auftreten können:
Sprachstörungen:
Wenn Kleinkinder und Schulkinder sehr undeutlich, wenig oder ungern sprechen oder
verschiedene Laute nicht (richtig) bilden können, kann es sich um eine Störung der
Sprachentwicklung handeln. Auch der Umfang des Wortschatzes und die Grammatik sind häufig
davon betroffen. Hervorgerufen wird dies zum Beispiel durch ein beeinträchtigtes
Hörvermögen sowie geistige oder körperliche Behinderungen. In diesem Fall sollte mit
Hilfe einer logopädischen Behandlung die sprachliche Entwicklung gezielt unterstützt und
gefördert werden.
Bei Erwachsenen kann es in Folge eines Hirnschadens zu einer so genannten Aphasie
(Sprachverlust) kommen, bei der die Fähigkeit verloren geht, Sprache zu verstehen oder zu
benutzen. Betroffen sind meist die Ebenen der Lautbildung, der Wortbedeutung und des
Satzbaus. Eine Verletzung der Sprachzentren kann zum Beispiel durch einen Schlaganfall,
eine Gehirnblutung oder ein Schädelhirntrauma hervorgerufen werden. Eine logopädische
Behandlung versucht in diesem Fall, die häufig stark eingeschränkten Fähigkeiten des
Sprechens, Lesens und Schreibens sowie des Sprachverständnisses wiederherzustellen oder
zumindest zu verbessern.
Sprechstörungen:
Sprechstörungen lassen sich in zwei große Gruppen unterteilen: Störungen bei der
Bildung von Lauten und Redeflussstörungen.
Zu den Lautbildungsstörungen zählen unter anderen
- die Aussprachestörungen bzw. Störungen der Artikulation (zum Beispiel lispeln),
- Dysarthrien (undeutliche Aussprache in Folge eines Sauerstoffmangels im Gehirn bei der
Geburt, einem Unfall oder durch neurologische Erkrankungen),
- Entwicklungsdyspraxien (fehlerhafte Bildung von Lauten bei Kindern)
- sowie Sprechapraxien (keine ausreichende Kontrolle der Artikulationsbewegung und
Sprechplanung).
Typische Redeflussstörungen sind:
- das Stottern (Redeunterbrechungen sowie unfreiwillige Wiederholungen von Lauten und
Silben)
- und das Poltern (phasenweise überhöhte Sprechgeschwindigkeit mit Auslassungen und
Verschmelzungen von Lauten, Silben oder Wörtern).
Stimmstörungen:
Bei Stimmstörungen ist die Stimme kaum belastbar oder kann ganz wegbleiben. Symptome
dafür sind eine länger anhaltende Heiserkeit sowie Schmerzen im Kehlkopf. Die Stimme
kann rau und gepresst (hyperfunktionell) oder kraftlos und hauchig (hypofunktionell)
klingen. Eine Stimmstörung kann sowohl organisch - zum Beispiel durch eine Verletzung
oder entzündliche Erkrankung des Kehlkopfes - als auch funktionell - zum Beispiel durch
falschen Stimmeinsatz, eine ungünstige Körperhaltung oder psychische Belastung - bedingt
sein.
Schluckstörungen:
Schluckstörungen (Dysphagien) können in Folge neurologischer Erkrankungen (zum Beispiel
multiple Sklerose oder Schlaganfall), aufgrund von Alterungsprozessen oder bei Kindern
durch ein entwicklungsbedingtes ungünstiges Schluckverhalten auftreten. Die Mund- und
Schluckmuskulatur wird in ihrer Beweglichkeit und/oder Sensibilität beeinträchtigt. Die
Nahrungsaufnahme ist in diesem Fall sehr erschwert, da die Betroffen sich häufig
verschlucken, weil sie die Nahrung nicht ausreichend zerkleinern können oder sie im Mund
nicht genau spüren.
Die Logopädie bietet zunächst Beratung und Einordnung der genannten Störungsbilder. Am
Anfang einer logopädischen Behandlung steht die Untersuchung der Ausprägung von
Artikulation, Wortschatz, Grammatik, Sprachverständnis sowie Schreib- und Leseleistungen
des Patienten. Zudem werden die Atem-, Stimm- und Schluckfunktionen getestet. In
Kombination mit dem ärztlichen Befund können die Ergebnisse dieser Untersuchungen die
Wahl der richtigen Behandlungsmethode ermöglichen. Der Patient sollte ausführlich über
Ursache und Auswirkungen seiner speziellen Kommunikationsstörung aufgeklärt werden.
Die anschließende Therapie umfasst spezifische Übungen, Anleitungen zum selbstständigen
Üben, aber auch Gespräche über den Therapieverlauf und den zu erwartenden Erfolg. Auch
psychotherapeutische Elemente können bei Bedarf hinzukommen. Elemente der logopädischen
Therapie sind beispielsweise aktive Bewegungsübungen, Wahrnehmungsübungen, Entspannungs-
und Kräftigungsübungen sowie Tonband- und Videoaufzeichnungen. Auf diese Weise soll das
Sprachverständnis, die Sprachproduktion, die Motorik und die Artikulation verbessert
werden. Wichtig dabei ist, dass die individuelle Lebenssituation des Patienten
Berücksichtigung findet und Angehörige in die Therapie miteinbezogen werden, um auf
Konfliktsituationen im Alltag reagieren zu können.
Das übergeordnete Ziel einer logopädischen Behandlung wird als individuell befriedigende
Kommunikationsfähigkeit des Patienten beschrieben. Dies kann für ein Kind zum Beispiel
die Schulfähigkeit und für einen Erwachsenen die Wiedererlangung der Berufsfähigkeit
sein. Konkret liegen die Schwerpunkte meist darin, Verbesserungen im Bereich der Motorik
der Gesichtsmuskulatur, der Kau- und Sprechmuskulatur, der Atmung, des Stimmapparates
sowie der Aussprache und des Sprechtempos zu erzielen. Die Dauer der Sprachtherapie kann
dabei individuell verschieden ausfallen.
Die Logopädie ist eine eigenständige Therapie mit eigenem Ausbildungsgang. LogopädInnen
arbeiten vorrangig in Krankenhäusern, (Rehabilitations)kliniken, logopädischen Praxen
sowie in Sondereinrichtungen für hör- und sprachbehinderte Kinder. Um die Störungen der
Sprache und Kommunikation zu beheben oder zu bessern sowie auch die soziale Integration
der Patienten zu erleichtern, steht die Logopädie in enger Kooperation mit Ärzten,
Physiotherapeuten, Psychologen, Linguisten, Pädagogen und Sozialarbeitern.
Quelle(n) und weitere Informationen:
Becker, K. P. & Sovák, M. (1983): Lehrbuch der Logopädie.
Königstein: Verlagsgruppe Athenäum, Hain, Hanstein.
www.dbl-ev.de
www.logopaedie.de
www.gesundheitpro.de/Logopaedie-Therapien-A050829ANONI013694.html
www.therapiezentrum-snh.de/150.html (Abruf:
05.03.06)
Therapiemethoden / Krankheitsbildersuche
Vom Krankheitsbild über die Therapiemethode zum richtigen Therapeut in Ihrem PLZ-Gebiet! Das finden Sie jetzt HIER
Nutzen Sie die untenstehenden Auswahlfelder für Ihre Suche !
Therapiemethoden |
Krankheitsbilder |
|
|
|
Alle hier präsentierten Texte dienen ausschließlich der persönlichen Information. Sie stellen keine Beratung in Gesundheitsfragen dar und können diese in keinster Weise ersetzen. Suchen Sie daher bei Verdacht auf eine Erkrankung immer unverzüglich Ihren Arzt auf.
©Desimed GmbH & CO.KG. Die Texte sind in einer Datenbank gespeichert und unterliegen dem Urheberschutz des § 87a UrhG. Sowohl der Druck als auch die Einspeisung in andere elektronische Systeme sind unzulässig und werden bei Bekanntwerden verfolgt. In diesem Zusammenhang wird auch ausdrücklich die Verwendung auf eigenen privaten oder geschäftlich genutzten Internetprojekten untersagt.
Ausdrücklich gestattet wird in diesem Zusammenhang die Schaltung von Links auf die Originalseiten von Physioweb.de. Zur Einbindung stellen wir Interessenten HIER eine Liste der Links zur Verfügung. Vielen Dank für die Beachtung dieser Hinweise.
Therapiemethodenliste , Newsliste, Therapeutensuche
|
|
|