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Datum:
29.08.2008
4 Uhr 54

 

 

 

 



Logopädie

bearbeitet von: Nicola Steinhauff
zuletzt bearbeitet am: 09.03.06

Die Logopädie wird auch Sprachheiltherapie genannt und richtet sich an Menschen jeden Alters, die von Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen betroffen sind. Das Arbeitsgebiet der Logopädie umfasst dabei sowohl die Untersuchung und Behandlung von bestehenden Mängeln in der Sprache und in der Kommunikation als auch vorbeugende Maßnahmen der Prävention und Beratung. Die Therapie richtet sich auf Störungen der Stimme, der Sprache, des Redeflusses, der Artikulation und des Schluckens. Die Logopädie stellt somit einen Teil der medizinischen Grundversorgung dar und muss von einem Arzt verordnet werden.

Bereits für Kleinkinder und Säuglinge kann eine logopädische Behandlung sinnvoll sein, wenn etwa angeborene Fehlbildungen im Gesichtsbereich, Hörstörungen oder zentralmotorische Körperbehinderungen vorliegen.
Des Weiteren gibt es eine Fülle an verschiedenen Störungsbildern der Sprache, des Sprechens, der Stimme und des Schluckens, die in jedem Lebensalter auftreten können:

Sprachstörungen:
Wenn Kleinkinder und Schulkinder sehr undeutlich, wenig oder ungern sprechen oder verschiedene Laute nicht (richtig) bilden können, kann es sich um eine Störung der Sprachentwicklung handeln. Auch der Umfang des Wortschatzes und die Grammatik sind häufig davon betroffen. Hervorgerufen wird dies zum Beispiel durch ein beeinträchtigtes Hörvermögen sowie geistige oder körperliche Behinderungen. In diesem Fall sollte mit Hilfe einer logopädischen Behandlung die sprachliche Entwicklung gezielt unterstützt und gefördert werden.
Bei Erwachsenen kann es in Folge eines Hirnschadens zu einer so genannten Aphasie (Sprachverlust) kommen, bei der die Fähigkeit verloren geht, Sprache zu verstehen oder zu benutzen. Betroffen sind meist die Ebenen der Lautbildung, der Wortbedeutung und des Satzbaus. Eine Verletzung der Sprachzentren kann zum Beispiel durch einen Schlaganfall, eine Gehirnblutung oder ein Schädelhirntrauma hervorgerufen werden. Eine logopädische Behandlung versucht in diesem Fall, die häufig stark eingeschränkten Fähigkeiten des Sprechens, Lesens und Schreibens sowie des Sprachverständnisses wiederherzustellen oder zumindest zu verbessern.

Sprechstörungen:
Sprechstörungen lassen sich in zwei große Gruppen unterteilen: Störungen bei der Bildung von Lauten und Redeflussstörungen.
Zu den Lautbildungsstörungen zählen unter anderen

  • die Aussprachestörungen bzw. Störungen der Artikulation (zum Beispiel lispeln),
  • Dysarthrien (undeutliche Aussprache in Folge eines Sauerstoffmangels im Gehirn bei der Geburt, einem Unfall oder durch neurologische Erkrankungen),
  • Entwicklungsdyspraxien (fehlerhafte Bildung von Lauten bei Kindern)
  • sowie Sprechapraxien (keine ausreichende Kontrolle der Artikulationsbewegung und Sprechplanung).

Typische Redeflussstörungen sind:

  • das Stottern (Redeunterbrechungen sowie unfreiwillige Wiederholungen von Lauten und Silben)
  • und das Poltern (phasenweise überhöhte Sprechgeschwindigkeit mit Auslassungen und Verschmelzungen von Lauten, Silben oder Wörtern).

Stimmstörungen:
Bei Stimmstörungen ist die Stimme kaum belastbar oder kann ganz wegbleiben. Symptome dafür sind eine länger anhaltende Heiserkeit sowie Schmerzen im Kehlkopf. Die Stimme kann rau und gepresst (hyperfunktionell) oder kraftlos und hauchig (hypofunktionell) klingen. Eine Stimmstörung kann sowohl organisch - zum Beispiel durch eine Verletzung oder entzündliche Erkrankung des Kehlkopfes - als auch funktionell - zum Beispiel durch falschen Stimmeinsatz, eine ungünstige Körperhaltung oder psychische Belastung - bedingt sein.

Schluckstörungen:
Schluckstörungen (Dysphagien) können in Folge neurologischer Erkrankungen (zum Beispiel multiple Sklerose oder Schlaganfall), aufgrund von Alterungsprozessen oder bei Kindern durch ein entwicklungsbedingtes ungünstiges Schluckverhalten auftreten. Die Mund- und Schluckmuskulatur wird in ihrer Beweglichkeit und/oder Sensibilität beeinträchtigt. Die Nahrungsaufnahme ist in diesem Fall sehr erschwert, da die Betroffen sich häufig verschlucken, weil sie die Nahrung nicht ausreichend zerkleinern können oder sie im Mund nicht genau spüren.

Die Logopädie bietet zunächst Beratung und Einordnung der genannten Störungsbilder. Am Anfang einer logopädischen Behandlung steht die Untersuchung der Ausprägung von Artikulation, Wortschatz, Grammatik, Sprachverständnis sowie Schreib- und Leseleistungen des Patienten. Zudem werden die Atem-, Stimm- und Schluckfunktionen getestet. In Kombination mit dem ärztlichen Befund können die Ergebnisse dieser Untersuchungen die Wahl der richtigen Behandlungsmethode ermöglichen. Der Patient sollte ausführlich über Ursache und Auswirkungen seiner speziellen Kommunikationsstörung aufgeklärt werden.
Die anschließende Therapie umfasst spezifische Übungen, Anleitungen zum selbstständigen Üben, aber auch Gespräche über den Therapieverlauf und den zu erwartenden Erfolg. Auch psychotherapeutische Elemente können bei Bedarf hinzukommen. Elemente der logopädischen Therapie sind beispielsweise aktive Bewegungsübungen, Wahrnehmungsübungen, Entspannungs- und Kräftigungsübungen sowie Tonband- und Videoaufzeichnungen. Auf diese Weise soll das Sprachverständnis, die Sprachproduktion, die Motorik und die Artikulation verbessert werden. Wichtig dabei ist, dass die individuelle Lebenssituation des Patienten Berücksichtigung findet und Angehörige in die Therapie miteinbezogen werden, um auf Konfliktsituationen im Alltag reagieren zu können.

Das übergeordnete Ziel einer logopädischen Behandlung wird als individuell befriedigende Kommunikationsfähigkeit des Patienten beschrieben. Dies kann für ein Kind zum Beispiel die Schulfähigkeit und für einen Erwachsenen die Wiedererlangung der Berufsfähigkeit sein. Konkret liegen die Schwerpunkte meist darin, Verbesserungen im Bereich der Motorik der Gesichtsmuskulatur, der Kau- und Sprechmuskulatur, der Atmung, des Stimmapparates sowie der Aussprache und des Sprechtempos zu erzielen. Die Dauer der Sprachtherapie kann dabei individuell verschieden ausfallen.

Die Logopädie ist eine eigenständige Therapie mit eigenem Ausbildungsgang. LogopädInnen arbeiten vorrangig in Krankenhäusern, (Rehabilitations)kliniken, logopädischen Praxen sowie in Sondereinrichtungen für hör- und sprachbehinderte Kinder. Um die Störungen der Sprache und Kommunikation zu beheben oder zu bessern sowie auch die soziale Integration der Patienten zu erleichtern, steht die Logopädie in enger Kooperation mit Ärzten, Physiotherapeuten, Psychologen, Linguisten, Pädagogen und Sozialarbeitern.




Quelle(n) und weitere Informationen:

Becker, K. P. & Sovák, M. (1983): Lehrbuch der Logopädie. Königstein: Verlagsgruppe Athenäum, Hain, Hanstein.

www.dbl-ev.de
www.logopaedie.de
www.gesundheitpro.de/Logopaedie-Therapien-A050829ANONI013694.html
www.therapiezentrum-snh.de/150.html (Abruf: 05.03.06)




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