Kopf- und Gesichtsschmerzen zählen in der modernen Gesellschaft zu den am meisten
verbreiteten Schmerzformen. Sie können sowohl primär als eigenständiges Krankheitsbild,
als auch sekundär in Form einer Begleiterscheinung anderer Erkrankungen auftreten.
Die Ursachen sind äußerst vielfältig: die Schmerzen können sich als Folge von
Stress, Wetterfühligkeit, Sauerstoffmangel, nach bestimmten Nahrungsmitteln, sowie
Zigaretten- oder Alkoholkonsum äußern. Ebenso können sie u.a. in Verbindung stehen mit
Infektionen, Erkrankungen im Hals- und Nasenbereich, Erkrankungen der Zähne oder des
Kauapparates, Fehlsichtigkeit, Bluthochdruck, Magen-Darm-Erkrankungen oder seltener mit
schwerwiegenden Erkrankungen, wie etwa Tumore im Kopfbereich. Häufig stellen sie eine
dauerhafte wesentliche Einschränkung des körperlichen Wohlbefindens und der
Leistungsfähigkeit dar. Da es sehr viele verschiedene Formen des Kopf- und
Gesichtsschmerzes gibt und die Ursachen bei jedem Patienten verschieden sein können, ist
eine ausführliche Anamnese und eine differenzierte Diagnose durch den Arzt für eine
individuell angepasste Therapie sehr wichtig.
Neben dem weit verbreiteten Krankheitsbild Migräne, treten besonders folgende
Schmerzformen auf:
Spannungskopfschmerz: gilt als häufigste Kopfschmerzvariante. Die Schmerzen treten
meist in episodischer Form für je wenige Stunden bis zu 1-2 Tagen auf. Bei mehr als 15
Tagen pro Monat bzw. mehr als 180 Tagen pro Jahr spricht man von chronischem
Spannungskopfschmerz. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt zwischen 25 und 30
Jahren, wobei Frauen und Männer gleichermaßen betroffen sind. Die Symptome werden meist
als dumpfer, drückender oder ziehender Schmerz beschrieben, der häufig im Stirn- und
Nackenbereich beginnt und sich dann über den ganzen Kopf ausbreitet. Patienten sprechen
von einem Gefühl, wie "in einen Schraubstock eingespannt" zu sein. Die
Arbeitsfähigkeit wird durch die meist leichte bis mäßige Schmerzintensität jedoch nur
unwesentlich eingeschränkt. Im Gegensatz zur Migräne kommt es nie bzw. selten zu
vegetativen Begleiterscheinungen, wie Übelkeit, Erbrechen, u.ä.. Die Ursachen werden
häufig in Verspannungen im Bereich der Augen- und Gesichtsmuskeln, sowie der Nacken- oder
Schultermuskulatur gesehen. Diese können zum Beispiel aufgrund starker Beanspruchung oder
schlechter Haltung entstehen. Des weiteren können psychische Spannungszustände wie
Stress, unterdrückte Aggressionen oder Konflikte beteiligt sein. Der Spannungskopfschmerz
tritt auch häufig zusammen mit einer Migräne als sog. Kombinationskopfschmerz auf.
Cluster-Kopfschmerz: tritt meist Periodenweise (ein bis mehrmals täglich) in
Attacken einer Dauer von etwa 15-180 Minuten auf. Die Anfälle häufen sich im Frühjahr
und im Herbst. Die Verbreitung in der Bevölkerung ist eher gering und betrifft
überwiegend junge Männer. Bei sehr häufigen und dafür kürzeren Attacken, die eher bei
Frauen auftreten, spricht man von chronischen Clusterkopfschmerzen. Die Beschwerden
äußern sich durch heftige, streng einseitige, meist hinter den Augen lokalisierte
Schmerzattacken. Begleitend kann es zu einer Rötung der Bindehaut, Tränenbildung,
Nasenlaufen, motorischer Unruhe und Schwitzen kommen. Ausgelöst werden die Schmerzen
häufig durch Alkohol, Nikotin, Flimmerlicht, körperliche Anstrengung oder
gefäßerweiternde Medikamente. Die genauen Ursachen sind bisher noch unklar. Man
vermutete anfangs eine Entzündung erweiterter Blutgefäße im Gehirn und später eine
Fehlregulation im Bio-Rhythmus.
Medikamenteninduzierter Kopfschmerz: tritt unmittelbar nach oder bei längerer
Einnahme von Medikamenten, insbesondere Schmerzmittel auf. Frauen sind deutlich häufiger
betroffen. Der Schmerz ist dumpf-drückend bis stechend, gelegentlich auch pulsierend und
kann in beiden Kopfhälften wechselnd oder gleichzeitig wahrgenommen werden. Er hält
häufig den ganzen Tag über an und wird durch körperliche Belastung verstärkt.
Insbesondere bei Patienten mit vorbestehender Migräne oder Spannungskopfschmerz kann es
zu diesem dauerhaften Schmerzmittel-Kopfschmerz kommen. Durch die regelmäßige Einnahme
von Analgetika, gelangen die Betroffenen in einen Teufelskreis, da sich die Schmerzen
durch ein Absetzen der Substanz verstärken, worauf hin die Dosis oft noch erhöht wird.
Trigeminusneuralgie ("typischer Gesichtsschmerz"): ist eine
schmerzauslösende Irritation des Trigeminus-Nervs, welcher vom Hirn aus die Empfindungen
von Stirn(höhle), Augen, Wangen, Ober- und Unterkiefer vermittelt. Die Erkrankung tritt
besonders bei Personen nach dem 50. Lebensjahr auf und äußert sich durch plötzlich
einsetzende, sehr starke Schmerzen in einer oder mehrerer der genannten Gesichtsregionen.
Von Betroffenen werden die Schmerzen als heftig stechend oder brennend, bzw. "wie ein
Blitz" beschrieben. Die Attacken dauern meist nur Sekunden(bruchteile), können sich
aber häufig und rasch wiederholen. Ausgelöst werden können sie durchs Essen, Kauen und
Schlucken, Sprechen, Zähneputzen oder Berühren der Wangen oder Stirn. Die Ursache der
Krankheit kann in einer Reizung bzw. Druckausübung auf den Hirnnerv liegen. Dies kann zum
Beispiel durch anliegende Blutgefäße, die in Folge einer Arterienverkalkung starrer
geworden sind, durch raumfordernde Prozesse geschehen. Auch kann die Erkrankung bei
Patienten mit neurologischen Erkrankungen auftreten. Als weitere Ursache wird eine
Überaktivität des Trigeminusnervs selbst vermutet.
Atypischer Gesichtsschmerz: wird häufig als Ausschlussdiagnose nur unzureichend
definiert, wenn andere Arten des Kopf- und Gesichtsschmerzes nicht nachgewiesen werden
können. Die Krankheit gilt als Gegenstück der Trigeminusneuralgie, da sie sich meist
nicht durch Schmerzattacken, sondern einen brennenden, ziehenden und bohrenden
Dauerschmerz äußert. Zudem tritt oft eine hohe Empfindlichkeit gegenüber normalerweise
nicht schmerzhaften Reizen, wie etwa eine leichte Berührung der Haut, auf. Die
Lokalisation des Schmerzes lässt sich nicht eindeutig zuordnen, tritt aber zumeist
einseitig, bisweilen auch mit Seitenwechsel, auf. Eine Mehrzahl der Patienten leidet
zusätzlich an depressiven Verstimmungen. Ausgelöst oder verstärkt werden die
Beschwerden häufig durch zahnärztliche und kieferchirurgische Behandlungen,
HNO-ärztliche Eingriffe, Verletzungen oder Infektionen. Damit in Verbindung stehende
krankhafte Befunde an Zähnen, Nasennebenhöhlen oder dem Kiefergelenk lassen sich jedoch
meist nicht nachweisen. Eine Abgrenzung zu der häufig durch operative Maßnahmen
behandelten Trigeminusneuralgie ist sehr wichtig, da diese Therapieform den atypischen
Gesichtsschmerz sehr ungünstig beeinflussen würde.
Als Therapie kommen je nach Krankheitsbild und Ursache unterschiedliche
Maßnahmen in Frage. Grundsätzlich sollten bekannte Auslöser weitestgehend vermieden
werden. Während bestimmte Medikamente häufig Linderung verschaffen können, wird vom
dauerhaften Gebrauch von Schmerzmitteln abgeraten. Besonders bei den kurzzeitigen
Schmerzattacken setzt die Wirkung der Analgetika ohnehin zu spät ein. Neben der
medikamentösen Behandlung wurden unter anderem durch Akkupunktur, Autogenes Training,
progressive Muskelentspannung nach Jacobbsen, Biofeedback und Stressbewältigung Erfolge
erzielt. Menschen, die unter Spannungskopfschmerzen leiden, können auch schon durch
einfache physikalische Hilfsmittel, wie Kälte- oder Wärmereize, sowie sanfte Massage den
Schmerz mäßigen. Der Cluster-Kopfschmerz kann unter anderem durch eine
Sauerstoff-Inhalation mit Hilfe einer Gesichtsmaske eingedämmt werden. Bei Patienten der
durch Schmerzmittel hervorgerufenen Kopfschmerzen ist zunächst oft ein ambulanter oder
stationärer Medikamentenentzug angebracht, bei dem zum Beispiel auch sog.
Kopfschmerztagebücher zum Einsatz kommen. Bei Gesichtsschmerzen konnten z.T. positive
Erfahrungen durch Nervenblockaden oder elektrische Nervenstimulation gemacht werden.
Auch die Prognose ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Obwohl häufig mit
langen schmerzfreien Perioden zu rechnen ist, kann vielen Patienten eine dauerhafte
Heilung nicht garantiert werden. Dennoch gibt es vielfältige Möglichkeiten die Schmerzen
zu lindern und die schmerzfreien Phasen zu verlängern.