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Kopf- und Gesichtsschmerzen

bearbeitet von: Nicola Steinhauff
zuletzt bearbeitet am: 17.03.04

Kopf- und Gesichtsschmerzen zählen in der modernen Gesellschaft zu den am meisten verbreiteten Schmerzformen. Sie können sowohl primär als eigenständiges Krankheitsbild, als auch sekundär in Form einer Begleiterscheinung anderer Erkrankungen auftreten.

Die Ursachen sind äußerst vielfältig: die Schmerzen können sich als Folge von Stress, Wetterfühligkeit, Sauerstoffmangel, nach bestimmten Nahrungsmitteln, sowie Zigaretten- oder Alkoholkonsum äußern. Ebenso können sie u.a. in Verbindung stehen mit Infektionen, Erkrankungen im Hals- und Nasenbereich, Erkrankungen der Zähne oder des Kauapparates, Fehlsichtigkeit, Bluthochdruck, Magen-Darm-Erkrankungen oder seltener mit schwerwiegenden Erkrankungen, wie etwa Tumore im Kopfbereich. Häufig stellen sie eine dauerhafte wesentliche Einschränkung des körperlichen Wohlbefindens und der Leistungsfähigkeit dar. Da es sehr viele verschiedene Formen des Kopf- und Gesichtsschmerzes gibt und die Ursachen bei jedem Patienten verschieden sein können, ist eine ausführliche Anamnese und eine differenzierte Diagnose durch den Arzt für eine individuell angepasste Therapie sehr wichtig.

Neben dem weit verbreiteten Krankheitsbild Migräne, treten besonders folgende Schmerzformen auf:

Spannungskopfschmerz: gilt als häufigste Kopfschmerzvariante. Die Schmerzen treten meist in episodischer Form für je wenige Stunden bis zu 1-2 Tagen auf. Bei mehr als 15 Tagen pro Monat bzw. mehr als 180 Tagen pro Jahr spricht man von chronischem Spannungskopfschmerz. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt zwischen 25 und 30 Jahren, wobei Frauen und Männer gleichermaßen betroffen sind. Die Symptome werden meist als dumpfer, drückender oder ziehender Schmerz beschrieben, der häufig im Stirn- und Nackenbereich beginnt und sich dann über den ganzen Kopf ausbreitet. Patienten sprechen von einem Gefühl, wie "in einen Schraubstock eingespannt" zu sein. Die Arbeitsfähigkeit wird durch die meist leichte bis mäßige Schmerzintensität jedoch nur unwesentlich eingeschränkt. Im Gegensatz zur Migräne kommt es nie bzw. selten zu vegetativen Begleiterscheinungen, wie Übelkeit, Erbrechen, u.ä.. Die Ursachen werden häufig in Verspannungen im Bereich der Augen- und Gesichtsmuskeln, sowie der Nacken- oder Schultermuskulatur gesehen. Diese können zum Beispiel aufgrund starker Beanspruchung oder schlechter Haltung entstehen. Des weiteren können psychische Spannungszustände wie Stress, unterdrückte Aggressionen oder Konflikte beteiligt sein. Der Spannungskopfschmerz tritt auch häufig zusammen mit einer Migräne als sog. Kombinationskopfschmerz auf.

Cluster-Kopfschmerz: tritt meist Periodenweise (ein bis mehrmals täglich) in Attacken einer Dauer von etwa 15-180 Minuten auf. Die Anfälle häufen sich im Frühjahr und im Herbst. Die Verbreitung in der Bevölkerung ist eher gering und betrifft überwiegend junge Männer. Bei sehr häufigen und dafür kürzeren Attacken, die eher bei Frauen auftreten, spricht man von chronischen Clusterkopfschmerzen. Die Beschwerden äußern sich durch heftige, streng einseitige, meist hinter den Augen lokalisierte Schmerzattacken. Begleitend kann es zu einer Rötung der Bindehaut, Tränenbildung, Nasenlaufen, motorischer Unruhe und Schwitzen kommen. Ausgelöst werden die Schmerzen häufig durch Alkohol, Nikotin, Flimmerlicht, körperliche Anstrengung oder gefäßerweiternde Medikamente. Die genauen Ursachen sind bisher noch unklar. Man vermutete anfangs eine Entzündung erweiterter Blutgefäße im Gehirn und später eine Fehlregulation im Bio-Rhythmus.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz: tritt unmittelbar nach oder bei längerer Einnahme von Medikamenten, insbesondere Schmerzmittel auf. Frauen sind deutlich häufiger betroffen. Der Schmerz ist dumpf-drückend bis stechend, gelegentlich auch pulsierend und kann in beiden Kopfhälften wechselnd oder gleichzeitig wahrgenommen werden. Er hält häufig den ganzen Tag über an und wird durch körperliche Belastung verstärkt. Insbesondere bei Patienten mit vorbestehender Migräne oder Spannungskopfschmerz kann es zu diesem dauerhaften Schmerzmittel-Kopfschmerz kommen. Durch die regelmäßige Einnahme von Analgetika, gelangen die Betroffenen in einen Teufelskreis, da sich die Schmerzen durch ein Absetzen der Substanz verstärken, worauf hin die Dosis oft noch erhöht wird.

Trigeminusneuralgie ("typischer Gesichtsschmerz"): ist eine schmerzauslösende Irritation des Trigeminus-Nervs, welcher vom Hirn aus die Empfindungen von Stirn(höhle), Augen, Wangen, Ober- und Unterkiefer vermittelt. Die Erkrankung tritt besonders bei Personen nach dem 50. Lebensjahr auf und äußert sich durch plötzlich einsetzende, sehr starke Schmerzen in einer oder mehrerer der genannten Gesichtsregionen. Von Betroffenen werden die Schmerzen als heftig stechend oder brennend, bzw. "wie ein Blitz" beschrieben. Die Attacken dauern meist nur Sekunden(bruchteile), können sich aber häufig und rasch wiederholen. Ausgelöst werden können sie durchs Essen, Kauen und Schlucken, Sprechen, Zähneputzen oder Berühren der Wangen oder Stirn. Die Ursache der Krankheit kann in einer Reizung bzw. Druckausübung auf den Hirnnerv liegen. Dies kann zum Beispiel durch anliegende Blutgefäße, die in Folge einer Arterienverkalkung starrer geworden sind, durch raumfordernde Prozesse geschehen. Auch kann die Erkrankung bei Patienten mit neurologischen Erkrankungen auftreten. Als weitere Ursache wird eine Überaktivität des Trigeminusnervs selbst vermutet.

Atypischer Gesichtsschmerz: wird häufig als Ausschlussdiagnose nur unzureichend definiert, wenn andere Arten des Kopf- und Gesichtsschmerzes nicht nachgewiesen werden können. Die Krankheit gilt als Gegenstück der Trigeminusneuralgie, da sie sich meist nicht durch Schmerzattacken, sondern einen brennenden, ziehenden und bohrenden Dauerschmerz äußert. Zudem tritt oft eine hohe Empfindlichkeit gegenüber normalerweise nicht schmerzhaften Reizen, wie etwa eine leichte Berührung der Haut, auf. Die Lokalisation des Schmerzes lässt sich nicht eindeutig zuordnen, tritt aber zumeist einseitig, bisweilen auch mit Seitenwechsel, auf. Eine Mehrzahl der Patienten leidet zusätzlich an depressiven Verstimmungen. Ausgelöst oder verstärkt werden die Beschwerden häufig durch zahnärztliche und kieferchirurgische Behandlungen, HNO-ärztliche Eingriffe, Verletzungen oder Infektionen. Damit in Verbindung stehende krankhafte Befunde an Zähnen, Nasennebenhöhlen oder dem Kiefergelenk lassen sich jedoch meist nicht nachweisen. Eine Abgrenzung zu der häufig durch operative Maßnahmen behandelten Trigeminusneuralgie ist sehr wichtig, da diese Therapieform den atypischen Gesichtsschmerz sehr ungünstig beeinflussen würde.

Als Therapie kommen je nach Krankheitsbild und Ursache unterschiedliche Maßnahmen in Frage. Grundsätzlich sollten bekannte Auslöser weitestgehend vermieden werden. Während bestimmte Medikamente häufig Linderung verschaffen können, wird vom dauerhaften Gebrauch von Schmerzmitteln abgeraten. Besonders bei den kurzzeitigen Schmerzattacken setzt die Wirkung der Analgetika ohnehin zu spät ein. Neben der medikamentösen Behandlung wurden unter anderem durch Akkupunktur, Autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobbsen, Biofeedback und Stressbewältigung Erfolge erzielt. Menschen, die unter Spannungskopfschmerzen leiden, können auch schon durch einfache physikalische Hilfsmittel, wie Kälte- oder Wärmereize, sowie sanfte Massage den Schmerz mäßigen. Der Cluster-Kopfschmerz kann unter anderem durch eine Sauerstoff-Inhalation mit Hilfe einer Gesichtsmaske eingedämmt werden. Bei Patienten der durch Schmerzmittel hervorgerufenen Kopfschmerzen ist zunächst oft ein ambulanter oder stationärer Medikamentenentzug angebracht, bei dem zum Beispiel auch sog. Kopfschmerztagebücher zum Einsatz kommen. Bei Gesichtsschmerzen konnten z.T. positive Erfahrungen durch Nervenblockaden oder elektrische Nervenstimulation gemacht werden.

Auch die Prognose ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Obwohl häufig mit langen schmerzfreien Perioden zu rechnen ist, kann vielen Patienten eine dauerhafte Heilung nicht garantiert werden. Dennoch gibt es vielfältige Möglichkeiten die Schmerzen zu lindern und die schmerzfreien Phasen zu verlängern.




Quelle(n) und weitere Informationen:

Bettschart, R.; Glaeske, G.; Kofler, B.; Saller, R.: Kursbuch Schmerz. Köln: Kiepenhauer&Witsch, 1997
Busch, V. & May, A.: Kopf- und Gesichtsschmerzen. München; Jena: Urban&Fischer, 2002
Diener, H.C. & Maier, C.: Kopf- und Gesichtsschmerzen. In: Diener, H.C. & Maier, C. (Hrsg.): Das Schmerz Therapie Buch. München; Wien; Baltimore: Urban und Schwarzenberg, 1997
Pfaffenrath, V. & Gerber, W.D.: Chronische Kopfschmerzen. Stuttgart; Berlin; Köln: Kohlhammer, 1992

www.dmkg.de  (Abruf: 26.02.2004)
www.kopfschmerzen.de  (Abruf: 26.02.2004)
www.medicine-worldwide.de/krankheiten/schmerz/gesichtsschmerzen.html
www.medicine-worldwide.de/krankheiten/schmerz/kopfschmerz/index.html (Abruf: 19.02.04)




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