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Cranio-Mandibuläre Dysfunktionen
bearbeitet von:
Sabina Riese
zuletzt bearbeitet am: 09.12.03
Störungen der Kiefergelenke hängen mit einer großen Anzahl
von klinischen Beschwerden zusammen und dürfen nicht als monokausales Krankheitsbild
betrachtet werden. Die häufigsten Symptome sind:
Schmerzen im Kiefer- und Gesichtsbereich sind häufig ein Hinweis
darauf, dass eine schädigende Ursache existiert. Zudem liegen in dieser Region viele
Strukturen beieinander, die für die Schmerzen verantwortlich sein können. Dazu zählen
u.a. die Zähne, Muskeln, Gelenke und Gehörgänge.
Kiefergelenkgeräusche kommen häufig beim Kauen oder Öffnen des
Mundes vor. Sie sind ein Zeichen für Subluxationen, d.h. für eine nicht vollständige
Verrenkung des Kiefergelenks, wobei das Gelenkköpfchen weit aus der Gelenkpfanne heraus
tritt.
Bei den Parafunktionen handelt es sich um untypische Funktionen wie
z.B. das Knirschen oder Pressen. Hierbei verlängern sich die Zahnkontakte von ca. 20
Minuten pro Tag bei gesunder Funktion auf meist mehrere Stunden. Beim Zähnepressen werden
die Zahnreihen auf häufig sehr kraftvolle Weise für eine meist längere Zeitspanne
krampfartig aufeinandergepresst. Hingegen werden beim Knirschen oder Reiben die Zähne
stark aufeinander gerieben, wobei sich grobe Abtragungsspuren in die Zahnsubstanz
eingraben können.
- Eingeschränkte Unterkieferbewegung
Ist die Mundöffnung oder Kieferbewegung eingeschränkt, spricht man
auch von einer Kieferklemme. Diese kann durch Verspannungen der Muskulatur oder Störungen
des Gelenks bedingt sein.
- Überbeweglichkeit des Unterkiefers
Bei weiter Öffnung des Mundes wie z.B. beim Gähnen kommt es vor, dass
die Kiefergelenke ausrenken. Im schlimmsten Fall kann der Unterkiefer nicht wieder von
selbst in die ursprüngliche Position gebracht werden.
Eine Arthrose der Kiefergelenke kann durch lang andauernde Belastungen
verursacht werden. Als Folge dessen können im Bereich der Gelenke Schmerzen auftreten und
es kann zudem zu Entzündungen der Gelenkkapsel kommen. Diese wiederum können dafür
verantwortlich sein, dass sich in den Gelenkspalten Verklebungen bilden, wodurch die
Beweglichkeit des Gelenks stark eingeschränkt wird.
Da die Kiefergelenke eng mit den Ohren verbunden sind, wird angenommen,
dass Ohrgeräusche durch eine verminderte Sauerstoffversorgung hervorgerufen werden
können. Auch können Ohrgeräusche die Folge von Verspannungen im Nacken oder von
bestimmten Kopfhaltungen sein.
Die Diagnostik beinhaltet zunächst eine umfassende
Untersuchung des gesamten Kausystems mit Kiefergelenken, der Muskulatur und der Zähne,
die in vielen Fällen eine Röntgenaufnahme mit einschließt.
Mögliche Methoden sind zudem die Elektromyographie, mittels der man
Verkrampfungen der Kopfmuskulatur erkennen kann. Anhand der Kinesiographie, welche die
Bewegungen des Unterkiefers festhält, wird die exakte Lage der Zähne bestimmt. Ein
weiteres Verfahren ist die Elektrosonographie, mit Hilfe derer die Lautstärke und
Frequenz der Geräusche im Kiefergelenk aufgenommen werden können.
So umfangreich wie die Ursachen für Kiefergelenkstörungen sein
können, so komplex sind auch die Behandlungsmöglichkeiten.
Zu den zahnärztlichen Methoden zählen zum einen Aufbissschienen aus
Kunststoff, welche die Zähne, Kaumuskulatur und Kiefergelenke vor zu starken Belastungen
schützen. Eine andere Maßnahme ist das Einschleifen, womit überstehende Kronen und
Füllungen oder auch herausgewachsene Weisheitszähne als Störquellen beseitigt werden
können. Zudem sind Zahnersatz sowie eine Behandlung durch einen Kieferorthopäden oder
Kieferchirurgen möglich.
Neben den zahnärztlichen Behandlungsmöglichkeiten sind auch die
medizinischen Maßnahmen von großer Bedeutung. Hierzu gehört die physikalische Therapie,
welche beispielsweise Massagen der Muskulatur, Wärme- und Kälteanwendungen sowie den
Einsatz von Rotlicht beinhaltet und zur Linderung der Beschwerden beitragen soll. Ebenso
wertvoll für die Behandlung von Kiefergelenkstörungen ist die Physiotherapie. Hierbei
wird durch manuelle Techniken eine Entlastung der Gelenke herbeigeführt, die
Kaumuskulatur wird durch krankengymnastische Übungen entspannt oder trainiert und die
Halsmuskulatur kann entlastet werden. Wenn keine körperlichen Ursachen für die
Störungen festgestellt werden können, ist eine psychosomatische Therapie notwenig, da
auch psychischer Stress einen Risikofaktor für Störungen im Kiefer-Gesichtsbereich
darstellt. In einigen Fällen kann es zudem sinnvoll sein, mit Hilfe von Medikamenten eine
Linderung der Schmerzen zu erreichen.
Prognose: Da es sich bei den Kiefergelenkstörungen um
eine Erkrankung handelt, die auf sehr viele Ursachen zurückzuführen ist, sollte die
Behandlung fachübergreifend ausgerichtet sein. Auch ist es wichtig, dass der Patient bei
der Therapie mitwirkt und sich selbst beobachtet. Ebenso ist das Erlernen von
Entspannungstechniken wie beispielsweise Yoga oder Autogenes Training förderlich, da
diese für Ausgeglichenheit sorgen und für einen ruhigen Schlaf ohne nächtliche
Stressbewältigung beitragen.
Quelle(n) und weitere Informationen:
Bethmann, W. (Hrsg.): Die stomatologische Schwester. Band 1, Leipzig: Johann
Ambrosius Barth Verlag, 1980
Kares, H., Schindler, H. & Schöttl, R.: Der etwas andere Kopf- und Gesichtsschmerz.
Craniomandibuläre Dysfunktionen CMD. Hannover: Schlütersche, 2001
Leiner, D. & Kares, H.: Kiefergelenkserkrankungen. ICCMO International
College Of Cranio-Mandibular Orthopedics Sektion Deutschland (Hrsg.);
URL: www.iccmo.de/HK/kiefergelenkserkrankungen.htm
Kerschbaum, T.: Patienteninformation: Kiefergelenkbeschwerden. DGZMK Deutsche
Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Hrsg.);
URL: www.dgzmk.de/patinfo/pat27.htm (Abruf vom 15.11.2003)
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