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Harn- und Stuhlinkontinenz
bearbeitet von:
Sabina Riese
zuletzt bearbeitet am: 29.03.06
Inkontinenz bezeichnet die Unfähigkeit, Harn oder Stuhl sicher zu speichern und selbst
zu bestimmen, wann und wo der Blasen- bzw. Darminhalt entleert werden soll. In Deutschland
sind ca. sechs Millionen Menschen von Inkontinenz betroffen, wobei das Risiko zu erkranken
mit zunehmendem Alter ansteigt.
Formen und Ursachen
Inkontinenz bezeichnet die Unfähigkeit, Harn oder Stuhl sicher zu speichern und selbst
zu bestimmen, wann und wo der Blasen- bzw. Darminhalt entleert werden soll. In Deutschland
sind ca. sechs Millionen Menschen von Inkontinenz betroffen, wobei das Risiko zu erkranken
mit zunehmendem Alter ansteigt.
Formen und Ursachen
Die folgende Darstellung bezieht sich auf das Krankheitsbild der Harninkontinenz. Man
unterscheidet zwischen sechs Hauptformen; es treten jedoch auch Mischformen auf.
- Stressinkontinenz: Bei der Stressinkontinenz kommt es zum Urinverlust
aufgrund eines gestörten Harnröhrenverschlussmechanismus. Die Betroffenen verlieren
anfänglich kleine, tröpfchengroße Mengen Urin und verspüren häufig keinen Harndrang.
Der Urinverlust tritt besonders bei erhöhtem Stress (Druck) in der Bauchhöhle oder
Harnblase auf, wie zum Beispiel beim Husten, Niesen, Lachen, Aufstehen oder bei
körperlicher Belastung. Die Ursachen der Stressinkontinenz liegen in einer Schädigung
des Beckenbodens oder der Harnröhre. Diese können in Folge von Geburten,
Bindegewebsschwächen oder einer Schwäche des Verschlussmuskels vorkommen und betreffen
vor allem Frauen.
- Dranginkontinenz: Der Urinverlust bei einer Dranginkontinenz geht mit
einem starken Harndrang und einer unkontrollierbaren Blasenmuskelaktivität einher, wobei
der Schließmuskel der Harnröhre intakt ist. Die Ursache liegt in einer Fehldeutung der
Impulse, die den Kontakt zwischen Gehirn und Blase herstellen. Man unterscheidet hierbei
zwischen einer sensorischen und einer motorischen Dranginkontinenz. Bei der sensorischen
Form sind die Impulse, die von der Blase ausgehen, gestört. Dies kann durch
Entzündungen, Harnwegsinfektionen, Harnblasensteine oder Tumore verursacht werden.
Hingegen liegt bei der motorischen Dranginkontinenz eine Störung der Impulsleitung vor,
die vom Gehirn ausgeht. Dies kann beispielsweise nach einem Schlaganfall oder bei einer
Morbus Alzheimer Erkrankung vorkommen.
- Reflexinkontinenz: Der Harnverlust bei einer Reflexinkontinenz erfolgt
reflektorisch, das heißt ohne Steuerung des Gehirns, sodass die Betroffenen kein Gefühl
des Harndrangs verspüren. Verursacht wird die Reflexinkontinenz durch eine Schädigung
der Nervenbahnen des Rückenmarks, zum Beispiel in Folge von Unfällen
(Querschnittslähmung), Tumoren oder Erkrankungen des Zentralnervensystems (vor allem
Multiple Sklerose).
- Überlaufinkontinenz: Die Überlaufinkontinenz ist durch einen
Urinverlust gekennzeichnet, der mit einer Überdehnung der Blasenwand zusammenhängt.
Charakteristisch ist das tröpfchenweise Abgehen von kleinen Urinmengen, während in der
gefüllten Blase große Restharnmengen zurückbleiben. Die Ursache der
Überlaufinkontinenz liegt in einer mangelhaften bzw. nicht vorhandenen Fähigkeit des
Blasenmuskels, sich ausreichend zusammenzuziehen. Dies kann unter anderem durch eine
fehlende Blasenmotorik, eine Vergrößerung der Prostata oder Harnröhrenverengungen
hervorgerufen werden. Eine Schädigung der Nerven, die für die Blasenkontraktion
verantwortlich sind, wird auch als mögliche Ursache angesehen; so zum Beispiel bei
Diabetikern.
Extraurethrale Inkontinenz: Bei dieser Form der Inkontinenz tritt der Urin außerhalb des
natürlichen Harnableitungssystems nach außen. Die Ursachen können angeborene
Missbildungen sowie Harnleiter-, Blasen- oder Harnröhrenscheidenfisteln infolge von
Tumoren sein.
Diagnose
Um die Art und Schwere der Erkrankung festzustellen, erfolgt neben einer Anamnese
(Erhebung der Krankenvorgeschichte) zunächst eine gründliche körperliche Untersuchung.
Den größten Stellenwert in der Inkontinenzdiagnostik nimmt die urodynamische
Untersuchung ein, mithilfe derer die Funktionsfähigkeit des unteren Harntraktes geprüft
werden kann. Zu den einzelnen urodynamischen Verfahren gehören unter anderem:
- Urinanalyse
- Harnflussmessung (Uroflowmetrie)
- Blasendruckmessung (Zystometrie)
- Blasenspiegelung (Zystoskopie)
- Harnleiterspiegelung (Urethroskopie)
- radiologische und bildgebende Verfahren
- Miktionstagebuch (Miktion = Harnlassen)
Behandlung:
Die Art der Inkontinenzbehandlung hängt von der Form und Ursache der Erkrankung, dem
Alter sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab.
- Medikamentöse Therapie: Die Behandlung mit Medikamenten stellt selten
eine differenzierte Ursachenbehandlung der Inkontinenz dar, sondern muss vielmehr als eine
unterstützende Maßnahme der konservativen Behandlungsmöglichkeiten gesehen werden. Sie
ist vor allem bei der Stress- und Dranginkontinenz sowie bei Harnwegsinfektionen angezeigt
und kann dazu beitragen, die Blase zu beruhigen und das Verschlusssystem der Blase zu
beeinflussen.
- Beckenbodentraining: Das Beckenbodentraining eignet sich insbesondere
bei einer leichten bis mittelschweren Stressinkontinenz. Mithilfe der Straffung der
Muskeln des Beckenbodens bietet sich für die Betroffenen die Möglichkeit, den Harnabgang
erheblich zu verringern oder ganz zu unterbinden. Wichtig dabei ist, dass das Training nur
bei regelmäßiger Anwendung und unter Anleitung von erfahrenen Therapeuten wirksam wird.
- Biofeedback: Mithilfe von Biofeedbackmethoden werden die Patienten beim
Erlernen der Kontrolle über die Beckenbodenmuskulatur sowie bei der Durchführung des
Blasentrainings unterstützt, indem ihnen ein besseres Verständnis der Blasenfunktion
vermittelt wird.
- Toilettentraining: Toilettentraining bedeutet, dass der Patient nach
einem festen Zeitplan zur Toilette geht. Diese Therapiemaßnahme ist nur für Patienten
mit einer funktionellen Inkontinenz geeignet, die die Füllung der Blase schlecht oder gar
nicht wahrnehmen.
- Operative Therapie: Operative Maßnahmen werden meist dann eingesetzt,
wenn konservative Verfahren nicht erfolgreich waren. Beispielsweise kann die operative
Vergrößerung der Blase bei einer Dranginkontinenz ratsam sein und zur Linderung der
Symptome beitragen.
- Blasenkatheterisierung und Inkontinenzhilfsmittel: Ist eine
vollständige Wiedererlangung der Kontinenz nicht möglich, kann häufig mithilfe eines
effektiven Inkontinenzmanagements das Gefühl von Kontinenz im sozialen Kontakt erreicht
werden. Dazu stehen eine Vielzahl von Hilfsmitteln, wie beispielsweise Ein- und
Mehrwegvorlagen, Katheter oder Auffangbeutel zur Verfügung.
Da heute viele wirksame Heilmittel existieren, verläuft die Behandlung der Inkontinenz
in vielen Fällen erfolgreich. Ebenso tragen eine Reihe von geeigneten Hilfsmitteln dazu
bei, die Lebensqualität der Betroffenen spürbar zu verbessern.
Quelle(n) und weitere Informationen:
Deutsche Kontinenz Gesellschaft: Harn- und Stuhlinkontinenz. URL:
http://www.kontinenz-gesellschaft.de/hus-inkontinenz.pdf (Abruf vom 26.03.2006).
Hoogers, K.: Inkontinenz verstehen. München/Basel: E. Reinhardt, 1993.
Roe, B. & Williams, K.: Inkontinenz. Ein Handbuch für die Pflege. Berlin/Wiesbaden:
Ullstein Mosby, 1997.
Sachsenmaier, B.: Inkontinenz. Hilfen, Versorgung und Pflege. Hannover: Schlütersche,
1991.
van der Weide, M.: Inkontinenz. Pflegediagnosen und Pflegeinterventionen.
Bern/Göttingen/Toronto/Seattle: Hans Huber, 2001.
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