Entstehung der Geburtsvorbereitung
Die Idee der Geburtsvorbereitung geht auf den englischen Arzt Grantley Dick-Read
zurück, der sich erstmals mit der Thematik Schmerzen und nichtmedikamentöse
Schmerzlinderung bei der Geburt auseinandersetzte. Während seiner Arbeit stellte er einen
Zusammenhang zwischen der Angst, die die Frauen zur Geburt mitbrachten und der
Intensität der Schmerzen fest. Aus diesen Beobachtungen entwickelte er das
Angst-Spannungs-Schmerz-Modell, welches besagt, dass die Angst der Mütter vor
der Geburt zu Anspannungen führt, was wiederum die Schmerzen verursacht. Im Gegenzug ging
er davon aus, dass eine Erweiterung des Wissens das Selbstvertrauen stärkt, ein besseres
Verständnis des Geburtsverlaufes die Kommunikation mit dem Betreuungspersonal erleichtert
und das Entspannen aller an der Geburt beteiligten Muskeln die Geburt als ein nahezu
schmerzfreies Erlebnis ermöglicht.
Aus dieser Erkenntnis leitete Dick-Read die Grundinhalte für die Geburtsvorbereitung
ab, die auch heute noch anerkannt sind:
- Aufklärung,
- körperliche Übungen,
- Entspannung und
- bewusstes Atmen.
Ziele der Geburtsvorbereitung
Das zentrale Anliegen der Geburtsvorbereitung besteht darin, die werdenden Eltern auf
die Geburt und das Leben mit dem Neugeboren vorzubereiten. Im Detail bedeutet dies:
- das Selbstbewusstsein und die Selbstwertschätzung der Eltern zu stärken;
- das Vertrauen in die Fähigkeit zu fördern, ein Kind gebären und für ein Kind sorgen
zu können;
- die Sensibilität der Frauen für ihren Körper, ihre Gefühle und Bedürfnisse zu
verbessern;
- ein realistisches Bild vom Leben mit dem Neugeborenen zu vermitteln und die Kompetenzen
der Eltern zu fördern;
- Voraussetzungen zu schaffen für die physische und psychische Gesundheit der Frauen nach
der Geburt;
- eine effektive Kommunikation mit den Gesundheitsexperten zu ermöglichen;
- die Eltern zu einer kritischen Bewertung medizinischer Interventionen zu ermutigen, um
die Geburt als ein physiologisches Ereignis zu schützen.
Inhalte der Geburtsvorbereitung
Einen wichtigen Teil der Geburtsvorbereitung stellen Information und Aufklärung über
den normalen Geburtsverlauf und mögliche Abweichungen, Wochenbett, Stillen sowie über
das Leben mit dem Säugling (Ernährung, Säuglingspflege, etc.) dar.
Daneben sind praktische Übungen für die Schwangerschaft, Geburt und den täglichen
Umgang mit dem Neugeborenen ein wichtiger Bestandteil von Geburtsvorbereitungskursen. Bei
den praktischen Kursinhalten geht es vor allem um:
- Entspannungsübungen und Massagen (zur Stärkung des Wohlbefindens und zur
Unterstützung der Geburt);
- Atemtechniken (zur Linderung der Wehenschmerzen und zur Förderung der
Sauerstoffversorgung des Kindes);
- kennen lernen von verschiedenen Gebärpositionen (um die Geburt aktiv mitgestalten und
erleben zu können);
- veränderte Körperwahrnehmung (richtige Bewegung und Haltung im Alltag, Umgang mit
Rückenschmerzen, schweren Beinen, etc.).
Wissenswertes zu Geburtsvorbereitungskursen
Angeboten werden Kurse zur Geburtsvorbereitung unter anderem von Hebammen,
Krankengymnastinnen, Ärztinnen, Gesundheitsämtern und Familienbildungsstätten. Auch die
Art der Vorbereitungskurse variiert sehr stark: es gibt Einzel- und Gruppenkurse, reine
Frauen- oder gemischte Kurse, bei denen die Partner oder Begleitpersonen von Anfang an
oder zu einzelnen Treffen einbezogen werden. Die durchschnittliche Dauer beträgt ca. 20
Stunden, wobei die Krankenkassen die Kosten für 14 Stunden übernehmen.
Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass der Kontakt und Austausch von Erfahrungen mit
anderen angehenden Müttern und Vätern von großer Bedeutung ist. Er dient dazu,
Unsicherheiten und Ängste abzubauen und wird von den werdenden Eltern in der Regel als
sehr positiv erlebt.