Fascial Balancing wurde von Gert Groot Landeweer, einem niederländischer
Physiotherapeut, Osteopath und Cranio-sacral Therapeut, Direktor des Upledger Institutes
in Deutschland zusammen mit Prof. Dr. A. Bumann entwickelt. Sie erarbeiteteten zunächst
eine manuelle Funktions- und Struktur-analyse bezogen auf das Ausmaß einer Schädigung
einer cranio-mandibulären Dysfunktion (Störungen des Kiefergelenkes). Die Technik wurde
an Patienten mit ungeklärten Kaufunktionsstörungen angewandt.
Die Faszien (umhüllendes Bindegewebe) bilden ein System, das unseren Körper
durchzieht und einzelne Elemente umhüllt. Sie schützen den Körper und verbindet alle
Strukturen miteinander. Fascial Balancing ist eine Behandlungsmethode zur
Wiederherstellung der optimalen Balance und Harmonie. Hierzu werden Techniken verwendet,
die zu einer Verbesserung der Dehnfähigkeit und zum Spannungsausgleich führen.
Unter folgenden Gesichtspunkten betrachtet Landeweer die Ursachen einer
cranio-mandibulären Dysfunktionen:
- neuro-muskulär
- okklusal-anatomisch
- psychologische Faktoren
- Hypermobilitäten mit Überdehnungen des Bindegewebes in Gelenkkapsel, Muskulatur und
Sehne
- Hypomobilitäten durch Ersatz von elastischem mit kollagenem Bindegewebe
So kann aus einer funktionellen Problematik eine strukturelle mit muskulären
Dyskoordinationen entstehen.
Groot Landeweer warnt vor dem blinden Glauben an bildgebende Verfahren, die gerade bei
Funktionsstörungen nur sehr selten von Nutzen seien.
Seine Diagnostik ist folgendermaßen aufgebaut:
- Anamnese
: Wie beschreibt der Patient seine Beschwerden ? Veränderungen der
Mundöffnung und schliessung zu erkennen ? Wie ist sein psychischer Zustand ?
- Inspektion
: Ist eine Hyperaktivität zu erkennen ? (z.B. Bissverletzungen an Wange
und Zunge)
- Palpation
: Hypo-, Hypertonus der Muskulatur, Schmerzempfindlichkeit.
- Koordination:
Grenzwertbewegungen des Unterkiefers (siehe Posselt Diagramm)
- Kompressionstests
: Prüfen der strukturellen Bewegungsgrenzen
- Dynamische Tests
: Geschmeidigkeit einer Bewegung unter Last
- Isometrische Tests
: Anspannungsfähigkeit eines Muskels
Reiben, Haken, Blockieren und Schmerzen während des Bewegungsweges zeugen von einer
Schädigung der untersuchten Strukturen, wohingegen reines Knacken ohne Schmerzen nach
Landeweer keinerlei weitere Bedeutung hat. Um diese Testverfahren durchführen zu können
ist nach Landeweer eine Kopfstabilität des Patienten, für eine zuverlässige Befundung,
notwendig.
Das Posselt Diagramm (www.uni-koeln.de)
Ein gesundes Kauorgan kann sich beschwerdefrei bis in die Grenzbereiche bewegen. Die
Bewegungen des Unterkiefers werden durch folgende Strukturen begrenzt:
- Kiefergelenk,
- Bandapparat (Ligamente) und
- die Zahnreihen in Okklusion und Artikulation.
Doch schon bald wurde Fascial Balancing bei folgenden Indikationen zusätzlich
angewendet:
weitere Indikationen zum Fascial Balancing:
a.) Orthopädisch Chirurgisch
Beschwerden an Gelenken, Muskeln, Sehnen der Arme und Beine sowie der Wirbelsäule.
b.) Internistisch
Funktionelle Beschwerden, deren Ursachen organisch bedingt sind.
c.) neurologische
d.) in der Pädiatrie
- nach geburtstraumatischen Einwirkungen
- Beschwerden im Säuglingsalter (Refluxprobleme, Dreimonatskoliken, Schreikinder)
- Hyperaktivität
e.) in der Geriatrie
- Durchblutungsfördernd
- Detonisierend
- Deblockierende Wirkung
- Osteoporose