Die Chirogymnastik ist eine belastungsarme und schmerzfreie Methode der
physikalischen Therapie. Sie unterstützt die Behandlung bewegungsarmer Menschen und dient
als ergänzende Therapiemöglichkeit bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, die
degenerativer Natur sind oder nach Verletzungen auftreten.
Im Mittelpunkt der Chirogymnastik steht der aktive Patient, der unter
Anleitung eines Therapeuten oder Arztes bewusst und konstant bei den einzelnen Einheiten
des Übungsprogramms mitarbeitet. Voraussetzung dafür ist, dass der Patient über seine
Krankheit aufgeklärt ist.
Zu den Therapiezielen der Chirogymnastik zählt zum einen eine
Steigerung der Leistungsfähigkeit der Muskeln allgemein sowie die Wiederherstellung und
Erhaltung des muskulären Gleichgewichts zwischen den großen Muskelgruppen von Rumpf und
Gliedmaßen. Des weiteren geht es um das Erhalten von erreichten Therapieerfolgen durch
das selbstständige Üben zu Hause und um die Reduzierung der Einnahme von Medikamenten.
Insgesamt wird mittels der Chirogymnastik eine Verbesserung des Beschwerdebilds erreicht,
was auf die gesteigerte Koordination aller Bewegungsabläufe des Körpers zurückzuführen
ist.
Methode:
Ein wesentliches Prinzip der Chirogymnastik besteht darin, dass die Behandlung stets dem
individuellen Krankheitsbild angepasst wird und immer am schmerzfreien Körperende
beginnt.
Für die einzelnen Übungen werden verschiedene Hilfsmittel benötigt.
Dazu zählen eine besonders entwickelte Behandlungsbank sowie Zug- und
Aufhängevorrichtungen sowie Fixierungen. Dadurch sind aktive, dreidimensionale und
belastungsarme Bewegungen möglich.
Eine Behandlungssitzung dauert 45 60 Minuten und besteht in der
Regel aus drei Phasen:
- In der Entlastungsphase liegt der Patient entspannt auf dem Bauch, was zu einer
Befreiung von den Schmerzen sowie zu einer Dehnung der Muskeln ohne Fremdeinwirkung
führt. Unterstützt werden kann die entlastende Wirkung auf die Wirbelgelenke und die
Muskulatur durch Wärmeapplikationen, Massagen und Elektroanwendungen. Dies führt neben
der erhöhten Dehnfähigkeit von Muskeln, Sehnen und Bändern zu einer Senkung des
Muskeltonus und ist eine wichtige Voraussetzung für die nächste Phase.
- In der nachfolgenden Gymnastikphase geht es um das aktive Beüben der Muskulatur.
Hier werden die Grundübungen für die schmerzfreien Körperregionen in Rückenlage
durchgeführt, wobei verschiedene Geräte benutzt werden.
- Abschließend folgt die Ruhephase, in welcher der Patient wieder entspannt auf
dem Bauch liegt. Erneut können Wärmeapplikationen die therapeutische Wirkung
verstärken. Bewährt haben sich dafür alle Verfahren, die der Patient als angenehm
empfindet. Dies können beispielsweise medizinische Wannenbäder, Infrarotlicht, feuchte
Wärme, CO2-Trockenbäder oder auch Fangoanwendungen sein.
Im Anschluss erteilt der Therapeut dem Patienten Anleitungen für
Hausübungen, welche zu Hause eigenständig durchgeführt werden und einen wichtigen
Bestandteil der Chirogymnastik darstellen.
Indikationen:
Eine Anwendung der Chirogymnastik empfiehlt sich bei Schmerzen des Bewegungsapparates, die
belastungsabhängig sind. Ebenso wirkt sich die Bewegungstherapie positiv bei chronischen
Rückenschmerzen und Bandscheibenschäden, Haltungsstörungen, Wirbelfrakturfolgen ohne
Querschnittssymptomatik, zur Vorbereitung von Operationen bzw. zur Nachbehandlung bei
degenerativen Erkrankungen der großen Körpergelenke, des Rumpfes und der Wirbelsäule
sowie bei Spannungskopfschmerzen und Migräne aus.
Kontraindikationen:
Nicht angewendet werden darf die Chirogymnastik bei allen Formen von Entzündungen,
Infektionen, bösartigen Tumoren und Metastasen. Des weiteren ist von einem Einsatz dieser
Therapiemethode bei jungen Frakturen und bei akuten neurologischen Ausfällen, bei denen
die Ursache nicht geklärt ist, abzusehen.
Laabs, W.: Bewegungstherapie mit Chiro-Gymnastik. Bundesverband Chirogymnastik e.V.
URL: www.chiro-gymnastik.de (Abruf vom 02.06.2004).