Der Bandscheibenvorfall Weitere Begriffsdefinitionen: Prolaps,
Protrusion
Was ist ein Bandscheibenvorfall ?
Von einem Bandscheibenvorfall spricht man, wenn es zu einer Verlagerung bzw.
Austritt von Gewebe des Nucleus pulposus (=Bandscheibenkern) durch Rissbildung des
Bindegewebes der Bandscheibe gekommen ist. Die Bandscheibe wölbt sich dabei zunächst in
Richtung des Rückenmarks oder der nahegelegenen Nervenwurzel vor, der schützende
Faserring reißt ein und das ausgetretene Bandscheibenkernmaterial engt die nahegelegenen
Nerven ein.
Schmerzen entstehen nicht nur am Ort des Geschehens. Durch eine Nervenreizung kommt es
zu den gefürchteten ausstrahlenden Schmerzen (Ischiasschmerz) oder sogar zu
Lähmungserscheinungen an Armen oder Beinen. In der Folge verspannt und verkrampft sich
die umgebende Muskulatur; die Schmerzen werden noch stärker.
Die häufigsten Bandscheibenvorfälle treten bei L4-L5, L5-S1 und bei C6-C7 auf.
C= Halswirbelsäule
L= Lendenwirbelsäule
S= Kreuzbein
Aufbau der Wirbelsäule:
Die Wirbelsäule lässt sich in vier Abschnitte einteilen.
- die Halswirbelsäule besteht aus 7 Wirbeln
- die Brustwirbelsäule besteht aus 12 Wirbeln
- die Lendenwirbelsäule besteht aus 5 Wirbeln
- das Kreuzbein
Die Wirbelkörper mit den zwischengeschalteten Bandscheiben bilden den vorderen Teil
der Wirbelsäule. Sie bilden eine strukturelle Einheit zwischen 2 Wirbeln und somit ein
Bewegungssegment. Der hintere Teil der Wirbelsäule wird durch die kleinen Wirbelgelenke
miteinander verbunden, die jeweils paarig angelegt sind.
Die Bandscheiben:
Sie haben eine feste äussere Hülle und einen gallertartigen Kern, der sich bei
jeder Bewegung der Wirbelsäule verformt und verschiebt. Die Bandscheibe sorgt zusammen
mit den der Wirbelsäule umgebenden Bändern und Muskeln, für Halt, Festigkeit und
Abdämpfung von Erschütterungen (Pufferfunktion).
Die Bandscheibe besteht aus:
- Faserknorpel
- Wasser
- Fibrine (Bindegewebe)
Die Bänder der Wirbelsäule:
An der Vorderseite der Wirbelkörper verläuft das Vorderband, auf der Hinterseite das
Hinterband. Das Hinterband ist am stärksten ausgebildet und schützt die Bandscheiben im
oberen Bereich der Wirbelsäule. Im unteren lumbalen Bereich wird das Band sehr dünn, die
Möglichkeit eines Bandscheibenvorfalls ist hierdurch größer.
Die Funktion der Bänder:
- Stabilität
- Bremsen die Bewegung
- Schutz der Bandscheibe
Ursachen für einen Bandscheibenvorfall können sein:
- einseitige Bewegungsabläufe und dabei entstehende Hebelkräfte
- andauernde Erschütterungen und Vibrationen, z.B. bei LKW-Fahrern
- chronische Über- oder Fehlbelastung
- angeborene oder degenerative Wirbelsäulenerkrankungen
Durch manuelle Untersuchung, Röntgenbild oder Computertomographie kann festgestellt
werden, inwieweit Bandscheiben, Rückenmark oder Nerven betroffen sind. Die apparativen
Untersuchungen müssen jedoch immer im Einklang mit den Funktionsuntersuchungen des Arztes
stehen, beispielsweise Krafttest von bestimmten Kennmuskeln, Reflexteste und die
Gefühlsstörung in bestimmten Hautarealen, den Dermatomen. Nur dann gilt eine Diagnose
Bandscheibenvorfall als gesicherte Ursache für die Beschwerden.
Die Therapie :
Für die Behandlung von Bandscheibenvorfällen gibt es die nachfolgend genannten
Ansätze:
1) zur Schmerzlinderung und Linderung der Nervenreizung:
2) zur mechanischen Entlastung der Wirbelsäule
3) nach der akuten Phase zum Muskelaufbau
4) wenn die Symptome der Nervenschädigungen sehr stark sind oder diese nach einigen
Wochen noch nicht verschwunden sind, muss auch an die Möglichkeit einer Operation gedacht
werden. Nach durchgeführter Operation ist dann wiederum eine gezielte
physiotherapeutische Behandlung notwendig.