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Datum:
20.08.2008
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Das Autogene Training

bearbeitet von: Sabina Riese
zuletzt bearbeitet am: 09.09.05

Das Autogene Training wurde in den 30er Jahren von dem deutschen Psychiater J. H. Schultz aus der Hypnose weiterentwickelt und von ihm auch als „konzentrative Selbstentspannung“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Entspannungstechnik, die auf der Verbesserung der Körperwahrnehmung und der Bedeutung der Vorstellungskraft beruht.

Das grundlegende Ziel des Autogenen Trainings besteht darin, sich in jeder Situation entspannen zu können, innere Ruhe und Gelassenheit zu finden. Daneben werden:

  • das Erlangen einer Balance zwischen Spannung und Entspannung,
  • die Steigerung der Konzentrationsfähigkeit
  • die Begrenzung des Schmerzempfindens,
  • das Erreichen eines bewussten Körperempfindens und
  • einer positiven Lebenseinstellung,
  • sowie die Regulierung der vegetativen Körpervorgänge angestrebt.

Wirkungsweise

Da Leistung und Erholung vom vegetativen oder „autonomen“ Nervensystem bestimmt werden und damit nicht durch unseren Willen beeinflusst werden können, muss eine Umschaltung des Körpers zwischen diesen Zuständen über einen „Umweg“ erfolgen. Die Voraussetzung dafür bildet die Konzentration sowohl auf die Aufmerksamkeit gegenüber den Geschehnissen im Körper, als auch auf die Vorstellung von Formeln und Bildern.

Befindet sich der Körper im Ruhezustand, sind damit bestimmte Empfindungen verbunden. Beispielsweise führt die Entspannung der Muskeln in den Gliedmaßen zu einem Schweregefühl, eine gute Durchblutung hingegen zu einem Wärmegefühl. Das Autogene Training ermöglicht jedoch auch die umgekehrte Wirkung: durch das konzentrierte Vorstellen von warmen Armen kann die Durchblutung gesteigert und nachfolgend eine körperliche Entspannung erlangt werden.

Grundprinzipien und Rahmenbedingungen

Vermittelt wird das Autogene Training in der Regel in Gruppenkursen unter Anleitung eines Psychologen, Arztes oder sonstigen Fachkundigen innerhalb einiger Wochen. Es kann aber auch durch ein Selbststudium erlernt werden. Bei beiden Varianten werden einzelne Lernschritte durchlaufen: zu Beginn konzentrieren sich die Übenden vorwiegend auf ein einzelnes Körperteil – mit wachsender Wahrnehmungsfähigkeit und Sicherheit werden die Übungen allmählich auf den gesamten Körper ausgedehnt.

Obwohl langfristig gesehen eine weitgehende Unabhängigkeit von äußeren Bedingungen angestrebt wird, ist es am Anfang hilfreich, die Umgebung sowie bestimmte Gewohnheiten (zum Beispiel einen bestimmten Zeitpunkt für das Training) beizubehalten, um eine erfolgreiche Entspannung zu unterstützen.

Eine ebenso wichtige Rolle spielt eine geeignete Körperhaltung. Prinzipiell kann in jeder Haltung trainiert werden, in der die Muskeln vollkommen entspannt werden können. Meist empfiehlt sich in der Anfangsphase eine liegende Position, da sie das Lernen erleichtert. Mit zunehmender Erfahrung ist es jedoch erstrebenswert, verschiedene Haltungen einzusetzen.

Die Übungen

Die Grundstufe des Autogenen Trainings besteht aus sechs Übungen, die aufeinander aufbauen und sich gegenseitig verstärken. Die Basis bilden Formeln und Bilder, die dazu beitragen, die Konzentration auf die für die Übungen ausgewählten Vorstellungen zu lenken und deren Lebhaftigkeit zu steigern. Die Übenden sagen sich diese bestimmten Worte und Bildassoziationen mehrmals konzentriert still vor und führen sie sich intensiv vor Augen:

1. Übung:        Schwere – „Der rechte (linke) Arm ist ganz schwer“ Die erste Übung dient der Muskelentspannung.
2. Übung:        Wärme – „Der rechte (linke) Arm ist ganz warm“ Die zweite Übung dient der Gefäßentspannung.
3. Übung:        Atmung –  „Atmung ganz ruhig“ Die dritte Übung dient der Atemeinstellung.
4. Übung:        Herz – „Herz schlägt ganz ruhig und kräftig“ Die vierte Übung dient der Herzregulierung.
5. Übung:        Sonnengeflecht – „Sonnengeflecht ist strömend warm“ Die fünfte Übung dient der Regulierung der Bauchorgane. 
6. Übung:        Kopf – „Die Stirn ist angenehm kühl“ Die sechste Übung dient der Regulierung des Kopfgebietes.

Am Ende der Übungen bildet das bewusste und sorgfältige „Zurücknehmen“ einen wichtigen Teil des Autogenen Trainings. Durch das bewusste Aufwachen, das mit einem Strecken des Körpers einher geht, werden die Nervenenden aktiviert und eine vegetative Umschaltung vom Entspannungs- in den Leistungszustand erreicht.

Anwendungsmöglichkeiten

Das Autogene Training als Entspannungstechnik besitz eine große gesundheitsförderliche Wirkung und eignet sich damit für viele Anwendungsbereiche. Neben der allgemeinen Förderung des Wohlbefindens durch Erholung und Entspannung bei Stress, kann Autogenes Training auch Therapie begleitend oder rehabilitativ bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt werden und zur Linderung der Symptome beitragen. So zum Beispiel bei:

  • chronischen Schmerzzuständen,
  • Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates,
  • Herz- und Kreislauferkrankungen,
  • Erkrankungen der Haut oder Augen,
  • neurologischen Störungen,
  • Störungen des Hormonhaushalts,
  • Diabetes mellitus,
  • Parkinson,
  • Inkontinenz,
  • Kopfschmerzen,
  • Bluthochdruck,
  • Verdauungsstörungen,
  • Nervosität, Schlaf- und Angststörungen.

Darüber hinaus bietet sich Autogenes Training zur Entwöhnung des Rauchens, Trinkens oder ähnlicher Süchte an. Ebenso dient es der Bewältigung von Selbstsicherheitsstörungen, akuten Lebenskrisen und dem Umgang mit Konfliktsituationen im familiären oder sozialen Umfeld. Es kann zudem eingesetzt werden, um die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu steigern.

Nicht zu empfehlen ist Autogenes Training hingegen unter anderem bei akuten schweren Depressionen, ausgeprägten Psychosen, Zwangssymptomatiken und fortgeschrittenen dementiellen Erkrankungen.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass das Autogene Training keine Konflikte löst oder körperliche Krankheiten heilt. Jedoch verschafft es uns eine Erholungspause, bereitet die Grundlage für einen Heilungsprozess vor und kann eine ganzheitliche Auseinandersetzung mit Störungen oder Erkrankungen durch eine Förderung der Selbstverwirklichung ermöglichen.




Quelle(n) und weitere Informationen:

Quellen:

Hirsch, R. D. & Hespos, M.: Autogenes Training bis ins hohe Alter. Basistherapeutikum und Gesundheitsförderung. München/Basel: Ernst Reinhardt Verlag, 2000.

  • Hoffmann, B. H.: Handbuch des autogenen Trainings. Grundlagen, Technik, Anwendung. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1995.
  • Kruse, P., Pavlekovic, B. & Haak, K.: Autogenes Training. Der Weg zum Wohlbefinden. Niedernhausen/Ts.: Falken Verlag, 1993.
  • Wikipedia – freie Enzyklopädie: Autogenes Training. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Autogenes_Training (Abruf vom 05.08.2005).



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